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Zehnter Band. Der Weltverkehr und seine Mittel. Zweiter Teil: Geistiger Verkehr.
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Die graphischen Künste.

(oder Nachätzen) erneuert werden. Solche „aufgekratzte" Platten ergaben unansehn-liche Abdrücke, da die alten ausgedruckten Partien stellenweise zwischen den neuen sichtbarblieben, und das Blatt die malerische Haltung verlor.

Neudrucke. Von älteren, heute noch erhaltenen Platten werden zuweilen moderneNeudrucke veranstaltet, die durch das moderne Druckpapier sich verraten. Von Fälschernwerden daher Neudrucke, wenn möglich, auf altes, noch erhaltenes Druckpapier abgezogen.

Erhaltung der Drucke. Gute Erhaltung der alten Kupferdrucke erhöht ihrenWert wesentlich. Notwendig ist bei Kupferdrucken die Erhaltung des Platteurandes,d. h. der eingepreßten Umrahmungslinien, welche die Ränder der Druckplatte auf demweichen Papier hinterlassen haben. Erwünscht ist auch ein möglichst breiter Papier -rand rings um den Plattenrand, da solche Drucke eleganter, von der Umgebung wiedurch einen Rahmen isoliert, also wirkungsvoller erscheinen. Vergilbte und stockfleckigeBlätter können durch geschicktes Bleichen (mit Chlor u. s. w., Vorsicht!) wieder auf-gefrischt werden.

Fälschungen. Ältere Kupferdrucke werden vielfach gefälscht. Die Ausarbeitungen,Neudrucke u. s. w. gehören stellenweise schon in dieses Gebiet. Zum Teile schützt vorFälschungen die Prüfung des Papieres, besonders des Wasserzeichens, obwohlauch dieses heute schon imitiert oder Fälschungen auf altem Papiere abgedruckt werden.Ganze Radierungen u. s. w. werden selten gefälscht, dagegen besonders früher neueEtats durch Einzeichnen mit Feder und Tusche, oder durch Abdecken eines Teiles derPlatte beim Druck, auch durch Aufdruck anderer Plattenteile auf die abgedeckte Partiegeschaffen.

Genaue Kenntnis alter Kupferstiche ist Sache langjähriger Übung und verlangtkünstlerisches Urteil. Sie allein bietet einigen Schutz gegen Fälschungen.

Der Steindruck.

Erfindung der Lithographie.

Zu den bisher geübten Kunstdruckverfahren, dem Holzschnitt (Hochdruck), dem Kupfer-stich (Tiefdruck), trat im Beginn des 19. Jahrhunderts ein neues, der Flachdruck. Soweitderselbe auf Stein (Kalkstein) hergestellt wird, bezeichnet man ihn als Lithographie(Steinzeichnung). Der Ausdruck ist insofern für den eigentlichen lithographischen Flach-druck ungenau, als der Kalkstein auch als Hochdruck- oder Tiefdruckplatte hergerichtetwerden kaun, während für den lithographischen Flachdruck eine kurze und präcise Be-zeichnung fehlt. Schon früh hatte man entdeckt, daß gewisse Kalksteine sich ätzen lassen,z. B. die Solnhofener und Kehlheimer. Man stellte Hochätzungen her, indem man dieZeichnung mit einer der Säure widerstehenden Deckmaffe auftrug, dann alle nicht be-deckten Stellen tief ätzte und so die Zeichnung erhaben auf ausgetieftem Grund erhielt.So wurden schon in früheren Jahrhunderten Tischplatten, Steinornamente u. s. w. her-gestellt. Doch geschah das nicht zu dem Zwecke, Abdrücke von diesen Platten zu nehmen.Daß aber solche hochgeätzte Steinzeichnungen bei geeigneter Behandlung an den erhabenenStellen Druckerschwärze annehmen, hatte schon der geistliche Rat Simon Schmidt zuMiesbach um 1786 entdeckt und von solchen wie von Holzstöckeu gedruckt (Lithotypographieoder Akrographie).

Endlich benutzte Alois Sen efelder (Abb. 219) in München die chemischen Eigenschaftendes Solnhofener Kalksteins, der die Eigenart besitzt, Fett begierig aufzunehmen und zu halten,an den Stellen aber, wo er durch Säuren gut gereinigt ist, in befeuchtetem Zustande Wasseraufsaugt und daher alles Fett abstößt. Darauf begründete Senefelder seine neue Er-findung, den lithographischen Flachdruck. Alois Senefelder ist 1771 in Prag geboren,wo sein Vater, ein Münchener Schauspieler, weilte. Senefelder studierte später inJngolstadt Jus, kam aber, ohne seine juristischen Studien vollendet zu haben, 1791nach München . Er hatte Neigung zur Bühne, verfaßte Theaterstücke und machte Ver-suche, sie selbst zu drucken. Er versucht den Text in Kupfer zu ätzen, dann 1795 in Kehl -