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Entwickelung der Lithographie in Deutschland .
die erste öffentliche Belehrung über die neue Kunst unter dem Titel: „Das Geheimnisdes Steindrucks in seinem ganzen Umfange dargestellt" u. s. w.
Überhaupt erhob sich, sobald das Verfahren des Steindrucks anfing bekannt zu werden,nicht bloß auswärts, sondern in München selbst eine Anstalt nach der anderen, ohne daßder Erfinder mit seinem Patente es zu hindern vermochte. Zahlreiche Reisende kamennach München , um die neue, berühmt gewordene Kunst zu studieren, oder Arbeiter ausden verschiedenen Werkstätten au sich zu locken. Und so war denn Europa bald mit Stein-druckereien übersäet, während der Erfinder selbst keine besaß, ja nahe daran war, wegenNahrungssorgen bei einem oder dem anderen seiner Zöglinge oder Nachahmer um Arbeitzu bitten. Glücklicherweise fühlte sich die Regierung verpflichtet, dem genialen Manne,dem sie selbst viel dadurch geschadet hatte, daß sie ihn in seinem Privilegium nicht schützte,ein festes Einkommen zu sichern. Er wurde 1810 bei der Steuerkatasterkommissionmit dem Titel eines Druckereiinspektors und mit einem lebenslänglichen Gehalte von1500 Gulden angestellt. Es war ihm hier der Landkartenteil des Instituts übertragenworden.
War nun auch Senefelders Existenz gesichert, so ließ ihn doch seine lebhafte Phantasie,sein fortwährendes Jagen nach Verbesserungen und nenen Verbindungen nicht znr Ruhekommen. 1818 kam er mit seinem Lehrbuche der Lithographie zustande, worin alledamals bekannten Prozeduren beschrieben sind und auch die Geschichte der Erfindung an-gegeben ist. Von da an nahm ihn die Idee, künstliche, leichte Platten als Ersatz derschweren Steine herzustellen, mehrere Jahre in Anspruch. Er überzog anfangs Papier,später Zinkplatten mit einer teigigen Masse, die nach dem Trocknen die Eigenschaftendes natürlichen Steines haben sollte. Im Jahre 1826 gelang es Senefelder endlich,den Druck farbiger Blätter (Mosaikdruck) zu entdecken, und kaum ein Jahr vor seinemTode erfand er noch das Verfahren, dergleichen auf Stein aufgetragene Ölgemäldeauf Leinwand zu drucken. Jevoch ist sein über diesen Gegenstand angekündigtes Werknie erschienen. Senefelder starb zu München am 26. Februar 1834 in einem Altervon 62 Jahren. Hoforganist Ferchl in München , ein Freund Senefelders, hat imVerein mit seinem Sohne alle ihm erreichbaren Abdrücke von Senefelders und andererLithographien aufbewahrt. Die Sammlung ist jetzt in München in Staatsbesitz undbeweist, daß der Erfinder fast alle technischen Vorzüge des Verfahrens bereits kannteund anwandte.
In Deutschland begann man große Hoffnungen an diese neue Kunstweise zu knüpfen,besonders für die Wiedergabe der Meisterwerke früherer Kunstepochen. Die Hauptstückeder großen Galerien werden lithographisch reproduziert. 1805 lithographiert Haubernach Holbein, Poussin u. a., und Senefelder gab 1805 bis 1807 in Verbindung mitHauber, Wagenbauer, Seidl, Klotz u. a. ein Sammelwerk heraus in 26 Lieferungen„Lithographische Kunstprodukte", meist Landschaften und Tierbilder. Dann begannenStrixner und Piloty die Publikation ihrer Galeriewerke (Abb. 220), Fr. Hanfstängl (1804—1877) lithographierte die Dresdener Galerie, Piloty gründete die FirmaPiloty L Löhle in München, die Weltruf gewinnt. Die deutsche Lithographie hattezeitweise den besten Ruf. Neben den Genannten wirkten in München Braun, Maus-feld und Förster, in Berlin Fritz Krüger, Feckert, Wildt, Kaiser, Süßnap, in KasselKoch, in Hannover Giere, in Düsseldorf die Achenbachs, Flamm, Dircks, Arnz,Ulffers u. a. In Wien zeichneten sich durch Soldaten- und Pserdedarstellungen Franzund Viktor Adam aus, durch Porträts Kriehuber , durch Humoresken Straßgeschwandtner,endlich Pettenkofen.
Unter denen, welche in Deutschland die Lithographie nicht nur als reproducierendeKunst zur Wiedergabe alter und moderner Gemälde anwandten, sondern als Darstellungs-mittel für eigene Entwürfe, also unter den Malerlithographen, ragt Adolf Wenzel hervor.Gelernter Lithograph, hatte er mit seinem Jugendwerk „Künstlers Erdenwallen " seinen erstenkünstlerischen Erfolg gehabt (1833). Es folgten 1834 bis 1836 die „Denkwürdigkeitenaus der brandenburgischen Geschichte", 12 Blätter nebst Titelblatt, viele Einzelblätter,