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Die graphischen Künste.
sauren Salze bei Belichtung zu Chromoxyden reduziert werden). Fvx Talbot stellte danachgeätzte Tiefdruckstahlplatten her, die er 185,3 der Pariser Akademie vorlegen konnte. Alslichtempfindliche Schicht benutzte er Leim mit einem Zusätze von Kaliumbichromat , den erauf eine Stahlplatte anstrug, trocknete und unter einem Diapositiv belichtete. Nachdemder Leim entwickelt und so die Zeichuungslinien ausgewaschen, ätzte er mit Platinchlorid-lösnng. Halbtonbilder erhielt er durch Einlegen eines feinen Gazeschleiers zwischenDiapositiv und Leimschicht während der Exposition, wurde also Vorläufer der später zubesprechenden Autotypie, der Rasterverfahren. Im Jahre 1858 beschreibt Talbot seinverbessertes Atzverfahren „Ultoto^tzyllüs onM'avinA", wonach nicht nur Stahl-, sondern auchKupfer- und Zinnplatten von ihm geätzt und Halbtöne durch Anwendung eines Staub-kornes erzielt werden. An Talbot schlössen sich auch Disderi in Paris und Girard inMarseille an, später Garnier, der 1867 auf der Pariser Weltausstellung dafür Prämiiertwurde, Dujardin und Arents.
Die Eigenschaften der Chromgelatine suchten dann der Österreicher Paul Pretsch und der Franzose Poitevin auszunutzen. Während Talbot das Chromgelatinerelief alsUnterlage zur Ätzung von Druckplatten benutzte, wurde Pretsch der Erfinder der Photo-galvanographie. Paul Pretsch *) (1808—1873) war Faktor der k. k. Hof- und Staats-druckerei zu Wien, ging dann nach London und nahm dort schon im Jahre 1854 (9.Nov.)ein Patent aus sein Verfahren, von ansgequellten Leimreliefs auf galvanvplastischem WegeTiefdruckplatten abzuformen. Er belichtete eine Schicht von Leim, Kaliumbichromat undSilberverbindungen unter einem transparent gemachten Stiche oder dergl. Er wuschdann in der Dunkelkammer die Platte aus und erreichte damit, daß die vom Lichte nichtgetroffenen Linien der Zeichnung aufquollen. Auf galvanoplastischem Wege (s. oben)machte er von dem Leimreliefbild ein Klischee, wodurch er die Linien vertieft auf einerKnpferplatte erhielt und von dieser wie von einer gestochenen Platte auf der Kupferdruck-presse Abzüge nahm. Pretsch wußte aber auch Tonflächen (Halbtöne) drnckfähig zu machen,indem er nach einem geheim gehaltenen Verfahren, durch plötzliche Erhitzung oder durchZusätze, die im Wasser gequellte Leimschicht zum Reißen und körnigen Auftrocknen derOberfläche brachte. Da die Leimschicht je nach dem Grade der Beleuchtung, also je nachder Stärke der im Originale vorhandenen, die Lichtwirkung mindernden Schattenflächen,aufquoll, mithin ein Relief bildete, dessen verschieden hohe Reliefierung bedingt wardurch die Intensität der Lichtwirkung auf die einzelnen Partien der Leimschicht, so erhielter im Klischee verschieden tiefe, körnige Flächen, die wie Aquatintaplatten eingefärbt undgedruckt werden konnten.
Gleichzeitig experimentierte der Franzose Poitevin (1819—1882), der in Paris Photographischen Studien oblag, aber erst im Dezember 1855 in London ein Patent aufsein Chromgelatineverfahren erhielt. Auch er machte Aufquellreliefs, von denen er aufgalvanoplastischem Wege Druckplatten erzeugte. Das Verfahren wurde dann von C. Moßin New Pork als „Moßtypeprozeß" weiter ausgeübt. Poitevin begnügte sich damit nicht.Er beutete neue Eigenschaften der Chromgelatine aus und wurde der Vorbereiter wichtigerVerfahren, zunächst des Lichtdruckes. Wird nämlich eine Chromgelatiueschicht untereinem photographischen Negativ belichtet, so werden die vom Lichte getroffenen Stellender Schicht fest und gegen Wasser abstoßend, während sie fette Druckfarbe festhalten. Dievom Lichte nicht getroffenen Stellen quellen, nehmen also Wasser an und stoßenDruckfarbe ab. Das gleiche Verhalten haben wir zuvor schon beim lithographischenSteine kennen gelernt. Wie von diesen, so ließen sich also auch von Poitevins Druck-platten Abzüge nehmen, nachdem sie befeuchtet waren.
Zugleich legte aber Poitevin den Grund zur Entwickelung des sogenannten Pigment-druckes (Abb. 232). Er setzte der Chromgelatineschicht einen Farbstoff (Pigment) zu undtrug eine solche Mischung von Chromatgelatine und Pigment auf Papier oder eine sonstigeUnterlage auf (Abb. 232-4). Nach erfolgter Belichtung unter dem Negativ wusch er die
*) Fritz, „Festschrift zur Enthüllungsfeier für ... Paul Pretsch". Wien 1888. — O. Volkmer,„Photo-Galvanographie". Halle, 1894.