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Zehnter Band. Der Weltverkehr und seine Mittel. Zweiter Teil: Geistiger Verkehr.
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Die graphischen Künste.

Das feine und unregelmäßige Korn, die Feinheit der Abtönung, die weiche Schönheitderselben macht die Heliogravüre zum künstlerisch bedeutendsten photomechanischenDrucke. Gute Heliogravüren vermögen bis zu gewissem Grade die Reize eines vornKünstler unmittelbar geschaffenen Kupferdruckes zu erreichen, und sie haben nebenbei denVorzug, das Original in völliger Treue wiederzugeben. Ihre Herstellung erfordert einemehr als mechanische Geschicklichkeit, künstlerischen Geschmack. Die .Heliogravüre ist damitdas vornehmste, aber auch kostspieligste photomechanische Verfahren. Psiachtwerke, wiedas Berliner Galeriewerk, verwenden sie neben Originalstichen und Radierungen da, woes sich um getreue Wiedergabe von vieltonig abgestuften dctailreichen Gemälden handelt.

Statt der Asphaltkörnelung der Platte hat zuerst Löwy in Wien 1896 ein Raster-verfahren angewandt, bei den sogenannten Rembrandt -Photogravüren. Das Rasternetz wirdentweder auf die Kupferplatte aufkopiert und entwickelt, bevor das Pi gmentbild aufgelegt ist,oder das Originalnegativ wird gleich mittels Raster aufgenommen und dadurch in Punkte zerlegt. (Über Kupferhochdrnckplatten mittels Pigmentverfahren vergl. das Kapitel Autotypie.)

Neben den vorbeschriebenen waren zeitweise auch andere Helliogravüreverfahren inÜbung. Bei der Heliogravüre Gilbo trug man das Harzkorn auf d as Chromgelatincreliefauf und ätzte mit Eisenchlorid, wobei mit verdünnter Lösung begonnen und diese bei denfolgenden Ätzungen verstärkt wurde. Rousselon in Paris lieferte sesit den siebziger Jahrenfür Goupil (später Boussot, Valadon LCo .) vortreffliche Drucke, z. D. in mehreren Farben.Sie fanden unter der Bezeichnung „Photogravüre" ungemeine Verbreitung. Rousselonübertrug hierbei die Photogalvanographie auf das Halbtonverfahr en, indem er das aus-gewaschene Chromgelatinerelief mit Korn überzog und auf galvanischem Wege davon einKlischee machte. Doch wird von allen Seiten darauf hingewiesen, daß die Erfolge imwesentlichen den Künstlern zuzuschreiben sind, welche in diesem Atelie r das Retouchieren undgründliche Überarbeiten der photomechanisch hergestellten Platten besorgten. Im Jahre 1878hat dann Scamoni (Petersburg) Heliogravüren nach seinem Verfahren in Paris ausgestellt,bei denen gleichfalls die Druckplatte durch Galvanoniederschlag gewonnen wurde. Erbeachtete, daß ein photographisches Negativ ein mikroskopisch feines Relief bildet, bei demdie Schatten ausgctieft, die Lichter erhaben sind. Durch Silbermiederschläge verstärkteScamoni dies Relief und machte davon galvanoplastische Klischees, also druckfähigePlatten (Photogalvanoplastik).

Auch Farbenkupferstiche wurden im Heliogravüreprozeß als sogenannte Chromo-photogravüren gedruckt. Die Herstellung ist nicht einfach, da nach jedem Abdrucke diePlatte zu reinigen und die Farben von neuem mit Tampons aufzutragen sind. Die ver-schiedenen Farben werden in der Regel auf einer Platte aufgetragen, und es gehört einsehr gewandter Drucker dazu, der die Platte sozusagen bemalen muß. Solche Farbendruckeliefert zum Teil auch nach dem Dreifarbenverfahren Boussot und Valadon in Paris , dieBerliner Reichsdruckerei, die Berliner photographische Gesellschaft, die kaiserlich russischeExpedition, die Wiener Gesellschaft für vervielfältigende Kunst, Wlechinger und Leykauffsowie Paulussen in Wien u. a. m.

Heliographie.

Während man mit Heliogravüre (Photogravüre) in der Regel die auf photo-mechanischem Wege gewonnenen tiefgeätzten Halbtonplatten bezeichnet, werden die ent-sprechenden Ätzungen in Linienmanier etwas willkürlich als Heliographien unterschieden.Die Mehrzahl dieser Heliographieplatteu werden nicht durch direkte Ätzung gewonnen, wiedie Heliogravüren, sondern durch galvanisches Abformen einer geätzten Platte*) (vergl.oben Galvauographie).

Die Vorgeschichte dieses Verfahrens ist schon im Abschnitt „Heliogravüre" gegeben.Schon 1854 hatte Paul Pretsch durch Aufquellen einer Chromatgel atineschicht ein Reliefbild

*) O. Volkmer, „Die Photogalvanographie". Halle. 1894. Scamoni, „Handbuch derHeliographie". St. Petersburg, 1872. Husnik, „Die Heliographie".. (Hartlebcns chem.-techn.Bibliothek.) Wie», 1888.