Band 
Zehnter Band. Der Weltverkehr und seine Mittel. Zweiter Teil: Geistiger Verkehr.
Seite
330
JPEG-Download
 

330

Die graphischen Künste.

da sich das Netz unverändert auf der Schicht abbildete und dann die Punkte der Tonflächealle gleich stark, wenn auch verschieden dicht, standen. Jetzt wird das Rasternetz bereitsbei der Aufnahme des Negativs angewandt, unter dem später die Chromgelatineschichtentwickelt werden soll. Der Raster wird bei der Aufnahme des Negativs in die Cameraeingesetzt in geringer Entfernung von der lichtempfindlichen Platte. Da, wo von denLichtern des Originals intensives Licht auf das Negativ eindringt, wird das Licht durchdie offenen Punkte des Rasters in größerer Intensität einwirken und auf dem Negativalsv eine größere Stelle dunkel färben, als das von den Schatten des Originals her-kommende Licht. So werden die Lichter des Originals auf dem Negativ eine fast zu-sammenhängende dunkle Fläche bilden, die nur von kleinen wenig durchsichtigen Punktendurchsetzt ist. Die Schatten des Originalbildes aber zeichnen auf dem Negativ Flächenmit hellen durchsichtigen Punkten, die keine Verkleinerung ausweisen.

Neuerdings sucht man durch Anwendung sehr verschiedenartig ausgeschnittener Blendendie Kornbildnng (Punktbildung) zu verbessern. Ein solches Negativ kann retonchiert werden,indem einzelne Partien, die im Bilde ganz weiß erscheinen sollen, gedeckt, die zu undurch-sichtigen mit der Nadel Punktiert und durchsichtig gemacht, flaue Stellen verstärkt werden.Wird nun unter einem solchen Negativ die Chromgelatineschicht exponiert, so strömt durchdie großen hellen Punkte das Licht weit intensiver, fixiert also große Punkte, die nacherfolgter Entwickelung und Ätzung beim Abdruck im Schatten den Eindruck einer fast zu-sammenhängenden schwarzen Fläche erzeugen (Abb. 237), während in den Lichtern desAbdruckes die Punkte sehr fein und zart ausfallen, also große leere Zwischenräume zeigen.Das weiße Papier kommt infolgedessen mehr zur Geltung und erzeugt den Eindruck einerganz leicht abgetönten hellen Fläche (vergl. Abb. 236). Somit ist durch verschiedene Größeder druckenden Punkte der Eindruck abgestufter Töne erzielt.

Die Ätzung der Autotypien ist analog der Ätzung der Zinkotypicn in Liniemnanier,heischt aber besondere Sorgfalt und Geschicklichkeit, da die Ätzung nur sehr geringe Tiefeerhält und die erhabenen Punkte zum Teil unendlich klein sind, also leicht durch geringeÜberätzung seitlich zu stark angefressen oder ganz verätzt werden könnten.

Den letzten bedeutenden Fortschritt machte die Autotypie mit der Einführung dessogenannten Emailprozesses. Statt der Zinkplatten lassen sich ja auch Kupferplatten fürHochätzung benutzen. Hochgeätzte Knpfcrplatten für den Buchdruck benutzte Klic schon 1880für seine sogenannten Knprotypieu. Professor Roese von der Berliner Reichsdruckereihatte ein ähnliches Verfahren die „Chalkotypie", das Eder 1887 im „Jahrbuch fürPhotographien" (S. 202) bekannt machte. Eine Kupfer- oder Messingplatte wird imStanbkasten gekörnt (vergl. Heliogravüre), Pigmentpapier der Autotype-Campany unterdem Negativ (nicht Diapositiv) belichtet, auf die Platte übertragen und mit Eisenchloridgeätzt. Da das Bild positiv, nicht negativ wie bei der Heliogravüre auf der Platte steht,wird die Zeichnung hoch geätzt. Da die Höhe nach den ersten Ätzungen nicht für Buch-druck genügt, wird die Platte mit Wachsfarbe eingewalzt, welche die hochstehenden Punkteder Zeichnung deckt, so daß mit Eisenchlorid bis zu genügender Tiefe die Zwischenräumeweiter geätzt werden können. Hrnza hat 1895 auch den Raster in Verbindung mit demPigmentversahren für Kupferhochätzung angewandt.

Große Förderung fand dann die Knpferhochätzung durch Ausbildung des sogenanntenEmailverfahrens oder Jvesprozesses 1888 durch Jves*) in Philadelphia, der durchErhitzung dem entwickelten Chromatgelatinebild eine emailartige Härte, dadurch größereSchärfe, Feinheit und Widerstandsfähigkeit verlieh. Jves' Prozeß beruhte auf älterenfranzösischen Photogravüreverfahren. Neuerdings macht H. W. Hyslop auf die Prioritätdes Emailverfahrens Anspruch. Eine Leimschicht, durch Ammoniumbichromat sensibilisiert,wird auf eine Kupferplatte aufgegossen und getrocknet (auf einer Zentrifugalschleuder-maschine wird der Überschuß abgeschleudert). Unter einem Rasternegativ wird kopiert,in kaltem Wasser oder einer farbigen Lösung die Leimbichromatschicht entwickelt, wobei

*) Dieser Prozeß ist nicht zu verwechseln mit dem älteren Jvesprozcß von 1881, wobei eineKörnelung durch Durchschneiden der Schicht erzielt wurde lvergl. S. 327).