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Zehnter Band. Der Weltverkehr und seine Mittel. Zweiter Teil: Geistiger Verkehr.
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Die graphischen Künste.

dient dann anch für eine Anzahl Farbenplatten als Grundlage, indem man einzweites oder mehr Negative herstellt, die für die betreffende Farbe ungeeigneten Stellendarin abdeckt und das Negativ auf den Stein kopiert. Bei Anwendung einer größerenAnzahl von Farbenplatten wird es aber einfacher und billiger, dieselben direkt auf denStein in Kreidemanier auszuführen oder die Zeichenplatte in Blaudruck auf diverselithographische Papiere überzubrücken und auf diesen mit Kreide die Stellen der be-treffenden Farbpartie auszuführen. Eine Photographische Aufnahme (Negativ) des sobehandelten Blattes enthält nur die schwarz bezeichneten Stellen und kann auf Steinoder Zink übertragen werden.

Eine sehr wichtige Abkürzung des Vielfarbendruckes liegt in dem sogenannten Syn-cbromieverfahren vor, auf das Graf Tnrati in Mailand ein Patent hat. Er hält dasVerfahren geheim. Über die mit nur einem Abzüge gleichzeitig auf derSchnellpresse gedrucktenFarben legt er eine Zcichnungsplatte in Holzschnitt oder Autotypie. Gleiches erstrebt JeanBachelerie in Paris , der 1896 sein Verfahren patentieren ließ. Er schneidet die einzelnenFarbenpartien aus einem die Farbe aufsaugenden Stoffe (Filz, Tuch) aus und tränktdiesen Ausschnitt mit der betreffenden Farbcnlösung, fügt die Teile mosaikartig zusammenund druckt dann von diesem polychromen Farbkissen auf ein Kautschukblatt und mit diesemauf den Bildträgcr. Für den feineren Kunstdruck dürste das Verfahren zu grob sein,eher für den Plakatdruck u. dergl. geeignet. Dennoch wird immer als letztes und höchstesZiel des photomechanischcn Kunstdruckes die getreue farbige Wiedergabe eines Vorbildesauf phoiomechanischem Wege gelten. An der Lösung dieses Problemes wird zur Zeiteifrig gearbeitet. Auf zwei verschiedenen Wegen suchte man es zu erreichen. Einmalindirekt durch das sogenannte Dreifarbendrnckverfahren, anderseits direkt durch das Lipp-mannsche Jnterfereuzverfahren.

Das Dreifarbendrnckverfahren*) beruht auf der Wahrnehmung, daß sich alleFarben des Farbenkreises durch Mischung aus drei Grundfarben herstellen lassen, nämlichaus Gelb, Rot und Blau. Gelingt es, auf phvtographischem Wege drei Negative her-zustellen, deren eines die gelben, das andere die roten, das dritte die blauen Töne isoliert,so kann man damit wieder drei Druckplatten anfertigen, eine gelbe, rote, blaue. DurchÜbereinanderdrucken der drei Platten muß ein farbiges Bild erzielt werden, das alleFarbenabtönnngen des Originales durch Mischung der drei Grundfarben wiedergibt.Theoretisch ist damit die Frage gelöst, und schon im l 7. Jahrhundert hatte ja le Blonnach diesem Dreifarbenprinzipe Knpferfarbendrncke geliefert. Aber bei der praktischenAusführung ergaben sich zahllose Schwierigkeiten. Im Jahre 1865 versuchte BaronRansonet in Wien die Herstellung vielfarbiger Drucke (Photolithographien) mittels dreiGrundfarben, indem er Cuvetten mit entsprechend gefärbter Flüssigkeit bei der Aufnahmedes Negatives einschaltete. Ducos du Hauron und Eros in Paris nehmen 1869 dieseVersuche auf**) und zwar auf Grundlage des Pigmentdruckverfahrens (s. Einleitung zurHeliogravüre). Ducos schaltet vor das Objektiv erst eine gelbgrüne, dann eine violette,endlich eine orange Glasscheibe. Er erzielt damit dreierlei Negative, und von jedemdieser Negative ein Pigmentbild in der Komplementärfarbe, je ein positives Pigmentbildfür Rot, für Gelb, für Blau. Diese drei Pigmentbilder werden entwickelt und auf-einander gepreßt und sollen so das farbige Gesamtbild ergeben. Schwierig war dabei,die drei Bilder genau aufeinander zu passen, so daß sich die Umrisse stets genau deckten.Dazu kam, daß Ducos du Hauron die Negativplatte mit Eosinkollodium sensibilisierte, dasgegen die verschiedenen Farben sehr verschieden empfindlich war, wodurch die Richtigkeitder Farbenwiedergabe beeinträchtigt wurde. In den siebziger Jahren änderte Vidal inParis dies Verfahren dahin ab, daß er über einem chromolithographischen Unterdrücke dasneutral gefärbte Pigmentbild aufpreßte. Noch fehlte es aber an Mitteln, das Drei-

*) Hubt, „Die Dreifarbenphotographie". Halle, 1897. Knapp.

**) Edcr, „Handbuch", Bd. 4, S. 455. — Ducos du Hauron, „Ein neuer helio-chromischer Prozeß".