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Zehnter Band. Der Weltverkehr und seine Mittel. Zweiter Teil: Geistiger Verkehr.
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Die Photographie.

nicht losen. Die Belichtungszcit eines solchen Verschlusses ist für schnell bewegte Gegen-stände immer noch zn lang. Alan hat deswegen andere, kompliziertere Einrichtungenerdacht, welche im wesentlichen nach zwei verschiedenen Prinzipien gebaut werden. Ent-weder ist der Verschluß dem Fallverschluß ähnlich konstruiert, aber die Bewegung der vordem Objektiv vorüberstreichenden Öffnung wird durch Fcderdrnck oder pneumatische Ein-richtungen beschleunigt, oder man verzichtet überhaupt aus eine Öffnung und einen Schlußdes Objektives und läßt den Momentverschlnß direkt vor der Photographischen Plattearbeiten. Diese letztere Art des Verschlusses hat besonders durch A»schütz wesentlicheVervollkommnungen erfahren und erlaubt die allerkürzesten Bclichtuugszeiten. DieEinrichtung eines derartigen Verschlusses ist so, daß ein aus einem lichtdichten Stoff be-stehendes Rouleau dicht vor der Platte angebracht ist. Das Rouleau wickelt sich imMoment der Auslösung des Verschlusses von einer an der Oberkante der Platte be-findlichen Rolle ab, während es sich zugleich aus eine zweite unterhalb der Platte an-gebrachte Rolle, welche durch eine starke Feder gedreht wird, aufwickelt. In dem Rouleaubefindet sich ein Spalt von regulierbarer Breite, der einzelne Teile der Platte nach-einander beim Abrollen des Rouleau der Lichtwirkung entblößt. Die Abb. 254 zeigteinen derartigen Anschützschen Verschluß. Mit Hilfe dieser Einrichtung ist es möglich,sehr kurze Belichtungen herzustellen, ja für viele Zwecke, z. B. astronomische Aufnahmender Sonnenobersläche hat man durch eigenartige Modifikationen eine Belichtungszeitvon weniger als L^oo Sekunde mit Leichtigkeit erzielen können. Auf eine andere ArtMomentaufnahmen, welche darauf beruhen, daß das Objekt durch ein künstliches Lichtvon kurzer Dauer erleuchtet wird, werden wir in einem späteren Abschnitt zurückkommen.

Die gebräuchlichen ghotographischru proxelpe.

Die Betrachtung der geschichtlichen Entwickelung der Photographie hatte uns ein-gangs unseres Kapitels bis zur Erwähnung des daguerreotypischen Prozesses geführt.Die Dagnerreotypie, d. h. die Kunst, photographische Bilder auf einer Silberplatte her-zustellen, hatte aber außer dem Fehler der großen Unempfindlichkeit noch den weiterenhöchst wichtigen Mangel, daß jede Originalanfuahme nur eine einzige Photographielieferte, eine Vervielfältigung dieses Originals war nicht möglich. Wir wissen, daß wirheutzutage in dieser Beziehung weiter gekommen sind. Nach einer einzigen Original-aufnahme können wir entweder direkt mit Hilfe der sogenannten Kopierprozesse oderindirekt mit Hilfe des Photographischen Druckverfahrens eine unbegrenzte Anzahl vonKopien erzeugen. Unsere heutigen Photographischen Prozesse laufen also im Prinzipdarauf hinaus, daß die photographische Aufnahme zunächst ein Original liefert, nachwelchem dann die Kopien erst hergestellt werden. Dieses Original nennt man, wie ein-gangs bereits mitgeteilt, ein Negativ, während die danach hergestellten Kopien Posi-tive genannt werden. Wir werden uns jetzt zunächst mit der Herstellung der Negativeeingehender zn befassen haben. Ein Negativ nennt mau, wie bekannt sein dürfte undwie auch eingangs bereits erwähnt wurde, ein Bild, bei welchem die lichten Stellen desOriginals dunkel und die dunklen Stellen licht wiedergegeben sind. Zur näheren Orien-tierung zeigen die Abb. 240 u. 241 ein Negativ und ein Positiv nach dem gleichenObjekte. Während wir in der modernen Photographie eine große Anzahl von Verfahrenhaben, um nach einem Negativ Positive herzustellen, bedienen wir uns zur Herstellungder Negative selbst im allgemeinen nur dreier verschiedener Verfahren, von denen daseine, das sogenannte Gelatinetrockenverfahren wesentlich dominiert. Um aber dieses Ver-fahren verstehen zu können, wollen wir auch kurz die beiden anderen Verfahren be-sprechen, das nasse Kollodiumvcrfahren und das Kollodiumtrockeuverfahren. Beide Ver-fahren werden auch heute noch für gewisse Zwecke mit großem Erfolge angewendet.

Das Kollodiumverfahren wurde im Jahre 1850 durch Le Gray erfunden undbesonders durch Fry und Archer in den folgenden Jahren ausgebildet und vervollkommnet.Das Verfahren, welches jene Forscher damals anwandten, ist wesentlich nicht von unserem