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Zehnter Band. Der Weltverkehr und seine Mittel. Zweiter Teil: Geistiger Verkehr.
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Photographische Prozesse: Das Kollodiumvcrsahren.

modernen Kollodinmverfahren verschieden. Tas Kollodiumverfahren basiert auf derLichtempfindlichkeit des Jodsilbers. Wenn wir feinzerteiltes Jodsilber dein Lichte aus-setzen, so erleidet dasselbe zunächst keine sichtbare Veränderung, aber es gehen zu gleicherZeit gewisse physikalische Prozesse vor sich, welche noch nicht näher erforscht und bekanntsind. Wenn wir nämlich derartiges Jodsilber unter einer Schicht einer Lösung vonHöllenstein belichten und später eine reduzierende Substanz, z. B. Eisenvitriol damit inBerührung bringen, so schlägt sich aus dem Höllenstein, der bekanntlich eine Berbindungder Salpetersäure mit dem Silber ist, metallisches Silber nur an denjenigen Stellen derJodsilberschicht nieder, an denen das Licht aus das Jodsilber eingewirkt hatte. DerKollodiumprozeß hat seinen Namen davon, daß das Jodsilber bei demselben in einemdünnen Kollodinmhäntchen eingebettet ist. Das praktische Verfahren ist kurz erläutertfolgendes: Schießwolle, d. h. gewöhnliche Baumwolle, welche durch passende Behandlungmit Salpetersäure nitriert wurde, wird in einer Mischung von Alkohol und Äther auf-gelöst. Das entstehende Produkt, dessen Eigenschaft sowohl von der Natur der an-gewandten Baumwolle, als auch besonders von der Konzentration und Mischung der zurNitrierung angewandten Säure abhängt, ist das sogenannte Rohkollodium. DiesemRohkollodium wird eine gewisse Quantität von Jod und eine kleinere Quantität vonBronisalzen zugesetzt und die entstehende klare Flüssigkeit in passender Weise gleich-mäßig über eine wohlgeputzte Glasplatte ausgebreitet. Sogleich nach dem Ausbreitender Flüssigkeit beginnen die Lösungsmittel des Kollodiums, der Äther und der Alkohol,zu verdunsten, und die Schicht gewinnt mehr und mehr Zusammenhang und Härte, bissie schließlich zu einem lederartigen Häutchen zusammentrocknen würde. Bis zu diesemGrade läßt man nun das Auftrocknen der Kollodiumschicht nicht fortschreiten, sonderntaucht die Platte in dem Moment, wo die Schicht zu erstarren beginnt, in das sogenannteSilberbad, welches im wesentlichen aus einer etwa 10° g Lösung von Höllenstein inWasser besteht. Der chemische Vorgang, der sich jetzt abspielt, ist der folgende: Die Jod-uud Bromsalze, welche in der Kollodiumschicht enthalten sind, zersetzen sich mit dem imSilberbad enthaltenen Höllenstein (salpetersaurem Silber), wechselweise derartig, daß inder Kollodiumschicht fein verteiltes Jod- und Bromsilber abgelagert wird, während in dasSilberbad salpetersaure Salze (wenn z. B. Jodkalium und Bromkalium im Kollodiumenthalten war, salpetersaures Kali) übergeführt werden. Dieser Prozeß, welcher inwenigen Minuten beendet ist, zeigt sich äußerlich darin, daß die bisher durchsichtigeKollodiumschicht zu einer milchweißen oder grünlichweißen halbdnrchsichtigen Schichtverändert wird. Wenn wir die Platte aus dem Silberbad herausnehmen, so finden wiralso folgende Substanzen in ihr vereinigt: das Kollodium mit dem darin verteilten Jod-und Bromsilber und die anhaftende Flüssigkeitsschicht aus dem Silberbade, welche imwesentlichen überschüssiges salpetersaures Silber enthält. Die so vorbereitete Platte wirdnun noch naß der Lichtwirkung in der Camera ausgesetzt, und zwar genügen zur Her-stellung eines Negativs im allgemeinen wenige Sekunden. Wenn nach dieser Zeit diePlatie aus der Camera herausgenommen wird, so ist auf derselben keine Veränderungvorgegangen, aber die belichteten Stellen haben jene vorhin erwähnte Eigenschaft an-genommen, das durch eine reduzierende Substanz aus der überstehenden Hölleusteinschichtabgeschiedene Silber pulverförmig als schwarze Masse niederzuschlagen. Der Prozeß,welcher den Zweck hat, diesen Vorgang einzuleiten und zu beenden, wird in der Photo-graphie Entwickelung genannt. Die Entwickelung ist also derjenige Vorgang, beiwelchem das durch die Lichtwirkung entstandene, noch unsichtbare und daher als latentbezeichnete Bild in ein sichtbares Bild übergeführt wird. Die belichtete Kollodiumplattewird, sobald sie aus der Camera kommt, mit dem Entwickler übergössen, welcher ausirgend einer reduzierenden Losung, Eisenvitriol oder Pyrogallollösung, besteht. DieseLösung zersetzt das der Platte anhaftende, aus dem Silberbad stammende Silbernitrat,und das entstehende pulverförmige Silber scheidet sich auf der Jodsilberschicht ab undzwar dort am meisten, wo die stärkste Lichtwirkung stattgefunden hatte. Die Entwickelungwird in dem Moment unterbrochen, wo der Silberniederschlag die gewünschte Stärke

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