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Die Photographie.
und damit das Bild die genügende Intensität erreicht hat. Hiermit wäre aas Negativfertig, wenn es nicht noch nötig wäre, die in ihm enthaltenen unzersetzten Jod- und Brom-silberverbindungen, welche spätere Veränderungen erleiden würden, aufzulösen. TieferProzeß, welchen man mit den Kunstausdruck „fixieren" bezeichnet, wird gewöhnlich miteiner Lösung von Cyankalium oder unterschwelligem Natron ausgeführt. Beide Sub-stanzen haben die Eigentümlichkeit, Jod- und Bromsilber auszulösen und sie in Weißerlösliche Doppelverbindungen überzuführen. Es erübrigt dann nur noch, diese löslichenSubstanzen durch das nachfolgende Auswässern zu entfernen. Das auf diese Weise ent-stehende Kollodiumnegativ ist nun meist noch nicht genügend intensiv, es muß daher dervorhandene Silberuiederschlag schwärzer und deckender gemacht werden, was durch dieOperation des Verstärkens geschieht, die mit Hilfe von Silber- oder Quecksilberwalzenin sehr verschiedener Weise vorgenommen werden kann.
Dem im vorstehenden in seinen Grundzügen geschilderten Kollodprozcssc hasten abereine große Anzahl von Mangeln an, welche dazu führten, denselben für viele Zwecke durchandere, bequemere Prozesse zu ersetzen. Zunächst ist die Herstellung einer fehlerfreienKollodplatte durchaus keine einfache Sache; das Putzen des Glases muß mit äußersterSorgfalt durchgeführt werden. Das gleichmäßige Aufgießen der Kollodiumschicht, dasSilbern derselben im Silberbade und das Aufgießen des Entwicklers erfordert eine großeund nur durch lange Erfahrung zu gewinnende Übung. Das Silberbad selbst gerät mitder Zeit durch allerlei Verunreinigungen, welche in dasselbe gelangen, in Unordnung.Genug, der Fehlerquellen gibt es eine so große Menge, daß die Herstellung eines voll-kommen fehlerfreien Kvllodnegativs große Schwierigkeiten macht, so große Schwierigkeiten,daß unsere heutigen Amateure gewiß vor denselben zurückschrecken würden. Hierzu geselltsich eine zweite wesentliche Unbequemlichkeit des Prozesses. Die Platten müssen, wievorhin angedeutet, noch naß belichtet werden. Wenn sie trocken werden, verlieren sie ein-mal einen großen Teil ihrer Empfindlichkeit, und zugleich krystallisiert das überschüssigeSilbernitrat aus und erzeugt Flecke und Fehler in der Platte. Man muß also die Plattestets kurz vor dem Gebrauch erst präparieren, was auf Reisen und beim Arbeiten imFreien äußerst störend und zeitraubend ist. Schließlich ist die Empfindlichkeit der Kollodium-platten nur eine beschränkte, so daß die Herstellung schneller Momentaufnahmen besondersbei nicht äußerst günstigen Lichtverhältnissen und mit den lichtstärksten Objektiven un-möglich ist. Alle diese Unzuträglichkeiten haben dazu geführt, daß in neuerer Zeit dasKollodverfahren nur noch da angewendet wird, wo man seiner schätzenswerten Eigen-schaften nicht entraten kann, und die dabei unumgänglichen Unbequemlichkeiten gern inden Kauf nimmt. Der Kollodprozeß hat nämlich vor dem modernen Trockenverfahrenetwas höchst Wesentliches voraus. Die außerordentliche Dünnheit der empfindlichenSchicht, verbunden mit ihrer Feinkörnigkeit und Zartheit des Silberniederschlags bedingennämlich, daß das Kollodverfahren ganz besonders geeignet ist zur Herstellung von Platten,die die höchste Schärfe haben müssen, ein Erfordernis, welches besonders bei den späterzu besprechenden mechanischen Druckverfahren an erster Stelle steht.
Die ersten Verfahren, haltbare Trockenplatten herzustellen, sind schon ziemlich alt,aber wirklich brauchbare Resultate wurden erst im Jahre 1862 durch Rüssel gewonnen,welcher das sogenannte Tannintrockenverfahren entdeckte. Da dieses Verfahrenheutzutage nicht mehr angewendet wird, so können wir dasselbe füglich übergehen. Auseine Stelle trat wenig später das heutzutage noch vielfach benutzte und für gewisse Zweckeausschließlich anwendbare Kollodiumemulsionstrockenverfahren, welches 1864durch Sayce und Bolton ausgebildet wurde. Dies Verfahren ist vom Kollodverfahrentrotz seiner äußerlichen Ähnlichkeit wesentlich verschieden, eine Verschiedenheit, welche be-sonders in der Art ihrer Entwickelung ihren Ausdruck findet. Wir hatten gesehen, daßdie nassen Kollodiumplatten stets bei einem vorhandenen Überschuß von Silbernitrat ent-wickelt werden, und daß die Entstehung des sichtbaren Bildes einer Art von physikalischemProzeß zu danken war, mit dessen Hilfe aus der überschüssigen Silbernitratlösung metallischesSilber an den belichteten Stellen niedergeschlagen wurde, während das in der Schicht