Die Photographie. Aufnahme von Bewegungen. 385
Für wissenschaftliche Zwecke hat der Kinematograph besonders in der Medizingedient, und die ersten derartigen Vorrichtungen, die allerdings in ihrer Form vonLumiereschen Kinematographen weit abweichen, hat Kohlransch in Hamburg gebaut.Er benutzt seinen Apparat wesentlich zum Studium der Bewegung des lebenden Tier-herzens, des Ganges gehirn- und rückenmarkleidender Personen u. s. w.
Die Möglichkeit, kine-matographische Aufnahmen,welche in verhältnismäßiglanger Zeit hintereinanderhergestellt würden, späterschnell aufeinander folgenzu lassen, ist ebenfalls ver-sucht worden. Man hatso beispielsweise die Vor-gänge beim Wachstum derPflanze erforscht und ge-nau anschaulich gemacht.
Hierzu verfährt man so,daß man von den zu stu-dierenden Gewächsen alle2 bis 4 Stunden bei Mag-nesinmblitzlicht eine Auf-nahme macht und diese Ar-beit Wochen- oder monate-lang fortsetzt. Die so ge-wonnenen Einzelaufnahmenwerden dann mittels desKinematographen schnellhintereinander vorgeführt.
Soll an der kinemato-graphischen Reproduktionbei Bewegungsvorgängenein Flimmern der Bilderverhindert werden, so istes notwendig, daß sich dieEinzelbilder während derZeit einer Sekunde in derZahl von mindestens 25bis 35 einander folgen;es ergibt sich daraus dieNotwendigkeit, die Produk-tion der Bilder stets in kür-zerer Zeit auszuführen alsihre Aufnahmen, ein Um-stand, der bei der Vor-"führung von Kinematogrammen bisher immer noch störend auffällt. Eine weitere Besse-rung in dieser Beziehung ist erst zu erwarten, wenn es gelingt, noch wesentlich licht-empfindlichere Schichten herzustellen, als die jetzt gebrauchten.
An diese Ergebnisse der Photographie wollen wir schließlich noch einige meteoro-logische Resultate anreihen, welche ebenfalls nicht ohne Interesse sind. Blitz und Regen-bogen, Wolkenformen, Schnee- und Eiskrystalle sind bereits vielfach der PhotographischenAbbildung unterworfen worden, und mannigfache Resultate sind auf diese Weise gewonnenworden. Durch die Photographie ist z. B. festgestellt worden, daß die gewöhnliche Form
2SL. Photographifche Aufnahme eines Aiihstrahis.