Band 
Zehnter Band. Der Weltverkehr und seine Mittel. Zweiter Teil: Geistiger Verkehr.
Seite
386
JPEG-Download
 

386

Die Photographie.

des Blitzes durchaus nicht ein Zickzack ist, sondern daß ein Blitz eher einem verästeltenBaume gleicht, dessen Hanptstamm sich in schlangensörmigen Windungen dahinzieht. Ebensohat man durch photographische Beobachtung festgestellt, daß die meisten Blitze keine ein-fachen Entladungen sind, sondern zuckend verlaufen, indem die Entladungen in kürzestenZeiträumen einander innerhalb des gleichen einmal durch die erste Entladung erzeugtenLuftkanals folgen. Wenn dieser Lustkanal unter der Wirkung des Windes bewegt wird,so projizieren sich die einzelnen Entladungen nicht genau aufeinander, vielmehr findet manauf der Photographie eine parallele Struktur des Blitzes, dessen einzelne Elemente je einereinzelnen Entladung entsprechen. Anderseits hat Kayser besonders an manchen Blitzeneine eigentümliche Struktur nachgewiesen, welche an die Struktur und die Schichtung des

elektrischen Lichtes inner-halb der GeißlerschenRöhren erinnert.

Besonderes Inter-esse ist in letzter Zeitder Photographie derWolken und ihrer typi-schen Formen zugewandtworden. Hier stellen sichder Forschung ganz be-sondere Schwierigkeitenentgegen, weil vielfachdie zarten Wolken, derenStruktur von besonderemInteresse ist, sich so wenigvorn Hintergründe ab-heben, daß an ein Photo-graphieren mit Erfolgnicht zu denken ist. Hierhat die später genauerzu besprechende ortho-chromatische Photogra-phie besondere Erfolgegezeitigt.

Schließlich wollenwir an dieser Stelle nochder Photographie derSchneekrystalle gedenken,welche besonders von Dr. Neuhauß gefördert worden ist, und von denen wir unserenLesern in Abb. 283 ein Beispiel vorführen. Die Schncekrystalle sind in derselben in etwa20 maliger Vergrößerung wiedergegeben.

*

* *

Wir müssen jetzt die einzelnen Anwendungsarten der Photographie auf dem Gebietder Wissenschaft verlassen, trotzdem wir uns bewußt sind, daß wir viele wichtige Sachenaus Raummangel hier übergehen mußten, und wenden uns im folgenden noch kurz einigenanderen Anwendungen der Photographie zu, welche ebenfalls des Interesses unsererLeser würdig sind, nämlich der Anwendung der Photographie auf dem Gebiete der Kunstund der Amateurphotographie. Besonders letztere ist des allgemeinsten Interesses würdiggeworden, da sie bereits sich fast alle Schichten der gebildeten Bevölkerung erschlossenund mit ihr das Interesse an der Photographie verallgemeinert und indirekt der photo-graphischen Forschung vielfach neue Wege und Methoden eröffnet hat.

Schon bei den Arbeiten von Anschütz und Marey haben wir gelegentlich auf dienahe Verbindung zwischen Kunst und Photographie hingewiesen. Durch die Unter-

es?. Kchnerkrystalle. Nach Dr. Neuhauß.