Die Photographie im Dienste der Meteorologie und der Kunst. 387
suchungen dieser Forscher und ebenso durch die verschiedenen Vergleichungen Muybridgeshat die Kunst außerordentlich viel gelernt. Der Künstler ist mehr denn früherdaraus aufmerksam geworden, wie mangelhaft die konventionelle Darstellung bewegterObjekte ist. Wer die Bilder moderner Meister betrachtet, findet überall die Spurenphotographischer Forschung in ihnen verwertet. Aber bald erkannte der Künstler, daßdie Wiedergabe aller photographisch möglichen Bewegungsformen ihm nicht erschlossen ist.Viele Formen der Bewegung sind derartig vorübergehend und momentan, daß wir siekünstlerisch nicht verwerten können. Anderseits haben sich manche Künstler mit dem Ge-danken vertraut gemacht, daß man einen schnellbewegten Gegenstand überhaupt nicht mitscharfen Konturen darstellen kann, und so sind einzelne derselben so weit gegangen, dieschnellst bewegten Teile ver-schwommen wiederzugeben, soweit sie das Auge des Be-schauers in Wirklichkeit sieht.
Aber in diesen Errungenschaftenliegen nicht die einzigen Früchteder Photographie. Die Photo-graphie hat vielmehr auf fastalle Gebieten der Kunst be-lebend eingewirkt. Der Bild-hauer, der Maler, der Architekt sind heute ohne Photo-graphische Camera kaum nochdenkbar. Das Material, wel-ches eine jetzt ausgestorbeneGeneration von Künstlern inmühsamster Arbeit in ihrenSkizzenbüchern mit Stift undFeder sammelte, wird heutemit ungleich geringerer Mühevom Photographischen Apparat,den zu bedienen die Handdes Künstlers längst gelernthat, zusammengebracht. DieFrüchte dieser Sammlungen,die so ungleich viel reich- 284 . Eiskrysiallr auf riner Scheibe im polarisierten Licht,haltiger sind, als das, was Nach Mierhe.
früher die Skizzenbücher leisten
konnten, sind nicht ausgeblieben, und wir bewundern jetzt an den Werken der größtenMeister eine Naturwahrheit in der Darstellung der kleinsten Details, welche sonstselbst mit einem noch so großen Aufwand von Mühe unmöglich gewesen wäre. DerKünstler ist heute zugleich Amateur geworden. Aber nicht nur der Künstler; Ama-teure finden wir in allen Schichten der gebildeten Bevölkerung. Wenn sich auch viel-fach die Photographie in den Dienst der seichten Unterhaltung gestellt hat, so verfolgtdoch ein großer Prozentsatz unserer Amateure ernstere Ziele, und die Camera ist fürviele, denen die ausübende Kunst verschlossen ist, ein Bildungsmittel und eine Befriedi-gung ihres künstlerischen Triebes geworden. Auf vielen Gebieten der Photographie hatder Liebhaber bereits den Bernfsmann verdrängt. Die Landschaftsphotographie, frühereine Domäne des Fachmanns, wird heute fast ausschließlich von Dilettanten kultiviert.Jedem Leser ist bekannt, wie tief in dieser Richtung die Photographie bereits in der Be-völkerung Wurzel gefaßt hat, und aus einer Spielerei, welche die Amatenrphotographienoch vor 20 Jahren war, ist heute eine ernste und an Befriedigung reiche Thätigkeitglücklicher Mußestunden vieler geworden.
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