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Die Photographie.
Zeit ist hier ein durchgreifender Wandel geschaffen worden, speziell durch die bahn-brechenden Arbeiten von H. W. Vogel. Vogel fand, daß gewisse Farbstoffe, in sehrkleinen Mengen photographischen Schichten beigemischt, deren Empfindlichkeit für einzelneFarben verändern resp. vergrößern. Im Jahre 1873 machte derselbe PhotographischeStudien über die Wirkung des Sonnenspektrums auf die gewöhnlichen photographischenSchichten. Hierbei prüfte er auch einige englische Platten, deren Schicht zur Vermeidungder sogenannten Hofbildung mit einem unbekannten Farbstoff gelb gefärbt war. DiesePlatten zeigten zwar bei der Aufnahme gewöhnlicher Objekte durchaus keine markantenEigenschaften, als der bekannte Forscher aber mit denselben ein Sonnenspektrnm auf-nahm, fand er, daß dieselben in ganz ausfallender Weise grün empfindlich gewordenwaren. Die Vermutung, daß der beigemengte Farbstoff diese Veränderung zuwege ge-bracht hatte, erwies sich in der Folge als richtig, und Vogel kam bald dazu, ein Gesetzauszusprechen, welches wir zunächst kurz formulieren wollen, um dann dasselbe näher zuerläutern. Dieses Gesetz lautet: Jeder Farbstoff macht eine Photographische Schicht fürdiejenige Farbe empfindlich, welche er selbst bei durchfallendem Lichte absorbiert. Wennwir irgend einen Anilinfarbstoff beispielsweise in wässeriger Lösung in den Gang einesBüschels weißen Sonnenlichtes einschalten und das hindurchgekommene Licht mit demPrisma analysieren, so finden wir, daß das bis dahin kontinuierliche Farbenband jetztvielfach von einigen für den betreffenden Farbstoff charakteristischen sogenannten dunklenAbsorptionsbändern durchzogen ist, welche sich von den eigentlichen FraunhoferschenLinien nur durch ihre außerordentliche Breite und die Verwaschenheit ihrer Ränder unter-scheiden. Lassen wir beispielsweise das Licht durch eine Schicht von Eosinlösung hindurch-gehen, so finden wir im Spektrum dunkle Streifen in der grüngelben resp. orangefarbenenRegion desselben. Der Farbstoff hat also die Eigentümlichkeit, diese Lichtsorten zu ver-schlucken oder zu absorbieren. Wenn man einer empfindlichen Schicht von diesem Farb-stoff etwas hinzusetzt, so geht derselbe mit dem Silber eine feste Verbindung ein, die manals ein Salz ansehen kann. So bildet z. B. das Eosin eine wohlcharakterisierte Silber-verbindung, das Eosinsilber, aus welcher das Eosin durch Extraktion mit irgendwelchenSubstanzen nicht mehr abgeschieden werden kann. Das Eosinsilber ist nun für diejenigenFarben empfindlich, welche das Eosin nicht hindurchgehen läßt. Diese Thatsache ist vonfundamentaler Bedeutung für die Photographie geworden. Wenn sich auch im Laufe derZeit gezeigt hat, daß das Vogelsche Absorptivnsgesetz nicht in allen Fällen mit vollerStrenge gültig ist, daß vielmehr dasselbe in jedem Falle einer praktischen Bestätigungbedarf, so ist doch anderseits eine Beziehung in der Art. wie sie das Vogelsche Gesetzverlangt, unzweifelhaft vorhanden.
Seit den grundlegenden Arbeiten Vogels auf diesem Gebiete haben sich eine großeAnzahl von Forschern der Sache bemächtigt und wichtige Resultate zu Tage gefördert.Man hat allmählich unter der großen Zahl der zu Gebote stehenden Farbstoffe gewisseSubstanzen herausgefunden, welche besonders geeignet sind, die Farbempfindlichkeit derphotographischen Präparate bei ihrer Einverleibung in die photographischen Schichten zuverändern und mehr der Farbempfindlichkeit des menschlichen Auges anzunähern.Dabei hat sich gezeigt, daß gewisse Farbstoffe für gewisse Photographische Präparate,andere wieder für andere Präparate geeignet sind. Von natürlichen Farbstoffen wirdbesonders das Chlorophyll als sogenannter Sensibilisator benutzt, von den künstlichenFarbstoffen speziell das Eosin, das Erythrosin, das Chinolinblau, das Chinolinrot, dasMagdalarot und noch eine ganze Reihe anderer ähnlich zusammengesetzter Körper. EineMischung des Chinolinrot mit dem Chinolinblau hat die besonders günstige Eigenschaft,Bromsilbergelatineplatten zugleich für Gelbgrün, Orange und Rot empfindlich zu machen,und zwar unter gewissen Umständen empfindlicher als die ursprünglichen blau empfindlichwaren. Auf diesem Gebiete wird auch heutigestags noch immer weiter geforscht undspeziell die praktische Anwendung dieser sogenannten farbenempfindlichen Platten ver-vollkommnet. Die Art, wie man diese Farbstoffe den photographischen Schichten ein-verleibt, ist im allgemeinen eine zweifache; entweder setzt man dieselbe sogleich der