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Die orthochromatische Photographie.
Emulsion zu, wobei äußerst geringe Mengen zur Anwendung gelangen, oder maubehandelt die fertigen photographischen Platten durch Baden in sehr verdünnten Farb-lösungeu. Beide Wege geben für gewisse Zwecke gleich gute Resultate, immer aber mußder Farbstoff in einer ganz außerordentlich geringen Menge der photographischen Schichtbeigemischt sein. Es hat sich gezeigt, daß derartige mit Farbstoffen versetzte Schichten imallgemeinen dem Verderben und der Selbstzersetzung in hohem Grade unterworfen sind,und dies ist ein Fehler, an welchem die orthochromatische Photographie noch oft krankt,obwohl auch hier bereits Erfahrungen gemacht sind, welche sicher dazu führen werden,sarbenempfindliche Platten von großer Haltbarkeit fabrikmäßig herzustellen. Für diemeisten Zwecke der Photographie farbiger Gegenstände reichen diese Farbenplatten aus.Es gibt aber häufig auch Fälle, in denen die Blauempfindlichkeit des Präparates im Ver-gleich zur Rotempfindlichkeit eine immer noch zu große ist. Hier wendet man Mittel an,um die Intensität des blauen Lichtes zu schwächen. Dies geschieht durch Einschaltungsogenannter Lichtfilter in den Strahlengang, derartig, daß man z. B. vor der photo-graphischen Linse ein gelb gefärbtes Glas oder ein von planparallelen Wänden begrenztesGefäß mit einer paffenden Farbstofslösung einschaltet. Schließlich auch bringt man dieseFarbenfilter häufig direkt vor der empfindlichen Platte an oder hilft sich speziell beiGemäldereprodnktionen damit, daß man das Original bereits mit farbigem, gelblichgetöntem Lichte, z. B. mit Petroleum- oder Gaslicht, beleuchtet.
Durch die sogenannte orthochromatische Photographie wird, wohl verstanden, nichtetwa, wie man häufig mißverständlich angenommen hat, eine farbige Photographie erzeugt,sondern vielmehr das Ziel verfolgt, die Farben in ihren Tonwerten und Helligkeits-abstnfungen so wiederzugeben, wie sie dem Auge erscheinen. Ganz andere Zwecke verfolgtein anderes Gebiet der Photographie, die Photographie in natürlichen Farben.Hier handelt es sich um die Lösung eines Problemes, welches bis jetzt trotz wesentlicherFortschritte auf diesem Gebiete immer noch seiner definitiven Lösung harrt, nm die Her-stellung von Photographien in natürlichen Farben, die mit dem Original nicht nur dieZeichnung, sondern auch die Mürbigkeit gemeinsam haben. Die Beobachtungen, welchedaraufhin geführt haben, daß überhaupt eine Photographie in natürlicher Färbung möglichsein müsse, sind bereits sehr alt. Schon Seebeck erkannte, daß Chlorsilber sich verschiedenfärbt, je nachdem es verschiedenem, grünem oder blauem Licht ausgesetzt ist. Diese Versuchesind unzähligem«! wiederholt worden, speziell haben sich Dnkos du Hauron, Zenkerund andere Forscher auf diesem Gebiete Verdienste erworben. Die Resultate aber bliebenganz verschwindende und praktisch bedeutungslose, da der Grund des Seebeckschen Phäno-mens nicht erkannt wurde. Der einzige Körper, bei dem man die Fähigkeit, die Farbenin gewisser Weise wiederzugeben, einigermaßen ausgebildet fand, blieb das Chlorsilber.Alle Versuche, in natürlichen Farben zu photographieren, verfolgten den Weg, daß manzunächst das Chlorsilber durch Lichtwirknng im weißen Lichte „anlaufen" ließ, d. h. eseinen gewissen Grad von Dunkelheit erreichen ließ. Dieses so nachgedunkelte Chlorsilber,das sogenannte Photochlorid, zeigte dann die Eigenschaft, gewisse Farben, wenn auchsehr unvollkommen, wiederzugeben. Wenn man beispielsweise ein nachgedunkeltes Chlor-silberpapier unter farbigen Glasstücken dem Lichte aussetzte, so nahm dasselbe nach stunden-langer Belichtung unter rotem Glase eine rötliche, unter gelbem eine gelbliche, untergrünem eine grünliche Schattierung an. Es gelang aber nicht, diese farbigen Bilder,welche nebenbei außerordentlich unvollkommen waren, dauernd zu fixieren, und es scheintfast, als wenn dieser Weg auch für die Zukunft als ziemlich aussichtslos zu betrachten sei.
Der deutsche Forscher Zenker war es, welcher vielleicht zuerst eine Erklärung derPhotographie in natürlichen Farben auf Chlorsilber gab und dadurch den Weg zu anderenhochwichtigen Entdeckungen eröffnete, der besonders von dem französischen Forscher Lipp-mann nicht ohne Glück beschickten wurde. Zenker erklärte das Zustandekommen derFarben in farbigem Lichte dadurch, daß er annahm, daß in der photographischen Schichtsogenannte stehende Wellen entständen. Es gibt eine große Anzahl von Naturkörpern,welche, ohne selbst ein farbiges Pigment zu enthalten, durch sogenannte Jnterferenzwirkung