Band 
Zehnter Band. Der Weltverkehr und seine Mittel. Zweiter Teil: Geistiger Verkehr.
Seite
393
JPEG-Download
 

393

Tie Farbenphotographie auf indirektem Wege.

geführt haben und dieselben durch eigentümlich konstruierte Projektionsapparate in allerihrer Farbenschönheit einem großen Publikum vorführen konnten.

Tie wesentlichste Vervollkommnung hat aber die Farbenphotographie auf Lippmann-scher Basis durch Dr. Nenhanß erfahren, der diese Methode so weit verfeinert hat, daßes mit ihrer Hilfe ohne besondere Schwierigkeiten möglich ist, jeden beliebig gefärbtenGegenstand naturfarbig zu photographieren, wenn auch die Schwierigkeit der langenExpositionszeit noch immer nicht überwunden wurde. Es mag darauf hingewiesen werden,daß sich um die Theorie des Lippmannschen Verfahrens auch in einer für die Praxisäußerst wertvollen Weise vor allen Dingen Dr. Wiener verdient gemacht hat, und daßden theoretischen Untersuchungen dieses Forschers zum Teil die besten praktischen Ver-vollkommnungen verdankt werden.

Indessen sind andere bemüht gewesen, dem alten Problem der Farbenphotographieauf andere Weise nahe zu kommen und farbige Photographien auf indirektem Wegezu erzeugen. Hier sind bereits Resultate von eminentester praktischer Bedeutung ge-wonnen worden, auf welche wir nun einzugehen haben werden.

Die Farbenphotographie auf indirektem Wege geht nicht darauf aus,mittels einer einzigen Operation ein farbiges Bild zu erzeugen, sondern sie begnügt sichdamit, das Endresultat durch Kombination zuwege zu bringen, derartig, daß mehrere ansich einfarbige Aufnahmen zu einem farbigen, reellen oder scheinbaren Bilde vereinigtwerden. Die beiden Wege, welche zur Erreichung dieses Zweckes eingeschlagen wordensind, sind etwa gleichaltrig, und wir verzichten hier auf ihre geschichtliche Entwickelung,weil über dieselben die Akten noch nicht geschlossen sind. Die Ansprüche einzelner andie wichtigen Entdeckungen werden von anderen bestritten, und um vollkommen parteiloszu bleiben, wollen wir uns zunächst an die Fakta selbst halten.

Durch Kombination von gewissen Grundfarben kann jede beliebige Nuance erzieltwerden. Wenn man die reinen Spektralfarben Gelb, Blau und Rot miteinander inpassenden Verhältnissen mischt, so läßt sich jede beliebige Farbe, wie sie in der Naturvorkommt, herstellen. Dieses Faktum, welches an sich einwandsfrei, in der Praxis aberschon dadurch beschrankt wird, daß wir nicht mit Spektralfarben, sondern mit Pigmentenarbeiten, ist die grundlegende Thatsache für die Möglichkeit der indirekten Photographiein natürlichen Farben. Wir wollen nun zunächst sehen, wie Jves, ein bekannter ame-rikanischer Forscher, dies Problem gelöst hat. Jves nimmt denselben Gegenstand ent-weder nacheinander oder gleichzeitig durch drei verschieden gefärbte Gläser auf, durch einrotes, ein gelbes und blaues. Durch das rote Glas geht nur das rote Licht hindurchund das resultierende Negativ ist überall da geschwärzt, wo im Original rote Farbe vor-handen war, und zwar ist die Schwärzung um so intensiver, je mehr Rot die betreffendeStelle des Original enthielt. Ebenso kommt durch das gelbe und das blaue Glas je einentsprechendes Negativ zustande, welches die gelben und blauen Töne des Originals alsmehr oder weniger dunkle Stellen wiedergibt. Denken wir uns nun von den drei so ent-standenen Negativs, welche alle drei schwarz, aber in der Tonabstufung sehr verschiedensein werden, Glaspositive hergestellt und dieselben durch ein rotes Glas mit rotem Lichtebestrahlt, und das so erleuchtete Glaspositiv auf einen Projektionsschirm geworfen, so istdas projizierte Bild ebenfalls natürlich einfarbig; es ist da am hellsten Rot, wo Mas Ori-ginal am meisten Rot enthielt, und da schwarz, wo das Original kein Rot enthielt.Denken wir uns nun weiter auf dieselbe Stelle des Projektionsschirmes durch ein blauesGlas das entsprechende Diapositiv und durch ein gelbes Glas das entsprechende Gelb-diapositiv projiziert, so ist leicht einzusehen, daß das resultierende, aus drei einfarbigenBildern zusammengesetzte Gesamtbild die Farbe des Originals wiedergeben muß, voraus-gesetzt, daß die rote Platte wirklich nur das rote Licht, die blaue und gelbe Platte nurdas blaue und gelbe Licht hindurchlassen, und daß die drei Farben in passender Weisegegeneinander abgestimmt waren. Jves erzeugt also in Wirklichkeit überhaupt keinfarbiges Bild, sondern er projiziert nur drei einfarbige Bilder aufeinander, und nurdurch ihre Kombination entsteht ein scheinbar vielfarbiges Bild auf dem Projektions-

X SO