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Die Photographie.
des Lichtes farbig erscheinen. So verdankt das Farbenspiel der Vogelfedern, der Perl-mutter, der Flügeldecken vieler Käfer seine Entstehung der Interferenz des Lichtes. DieseOberflächen haben eine Art feine regelmäßige Struktur, die eine Absorption gewisserLichtarten und ein Zurückwerfen anderer zur Folge hat. Wenn wir daher diese Strukturenkünstlich herstellen können, so werden derartige Flächen auch im reflektierten Licht gewisseFarben zeigen. Dieses Phänomen ist längst bekannt und in der Physik vielfach verwendetworden. Uns erscheint beispielsweise eine mit höchst feinen Strichen geritzte Glastafelbei schräg einfallendem Lichte farbenschillernd, und wenn wir ein Stück Perlmuttergalvanoplastisch abformen, wobei die Oberfläche des Metalles die Struktur des Originalsmit allen Feinheiten wiedergibt, so erstrahlt dieselbe ebenfalls in den Farben der Perl-mutter. Denken wir uns irgend einen durchsichtigen Körper von gleichmäßigen Lagendurchscheinender Schichten durchsetzt, deren Entfernungen gleich der Wellenlänge irgendeiner bestimmten Lichtfarbe sind, so wird eine derartige Fläche im reflektierten Licht farbigerscheinen, weil das seiner Wellenlänge nach mit der Distanz der durchscheinendenSchichten übereinstimmende Licht aus ihrer Tiefe kräftiger reflektiert wird, als die übrigenLichtarten. Diese Thatsache hat sich die Farbenphotographie zu nutze gemacht. Denkenwir uns irgend eine äußerst feinkörnige photographische Schicht auf einer polierten Ober-fläche, z. B. Silber oder Quecksilber ausgebreitet und farbiges Licht auf dieselbe fallend,so dringt dasselbe in die Schicht ein und wird von der spiegelnden Fläche wieder zurück-reflektiert. Durch die Lichtwirkung bilden sich jetzt in gewissen Zonen, die um die Wellen-länge voneinander abstehen, dunkle Lamellen, welche nachher in der Aufsicht die Schichtin der Farbe des Lichtes erstrahlen lassen, welches die Wirkung hervorbrachte. Dies istdas Prinzip, welches Zenker ausstellte, und welches Lippmann mit großem Glück ver-wertete. Die Art, wie Lippmann seine Versuche anstellte, ist folgende: Er bereitete aufirgend einer durchsichtigen Unterlage, z. B. einer Glasplatte, eine äußerst feinkörnigephotographische Schicht, indem er beispielsweise Bromsilber in feinster Verteilung inEiweiß suspendierte. Nachdem die Schicht getrocknet war, legte er die Platte in eineKassette und zwar mit der Schichtseite nach innen und füllte den Raum hinter derselbenmit Quecksilber, welches einen mit der Schicht in Kontakt stehenden Spiegel bildet. Ließer auf eine so vorbereitete Schicht das Sonnenspektrum eine gewisse Zeit einwirken, ent-wickelte und fixierte die Platte, so zeigte dieselbe nach dem Trocknen ein Spektrum-bild in den natürlichen Farben, welches ebenso wie die Dagnerreschen Bilder natürlichnur in der Aufsicht sichtbar ist. Es haben sich nämlich dann in dieser Schicht feineLamellen reduzierten SilberS gebildet, welche in Abständen voneinander angeordnetsind, die den Wellenlängen des zeugenden Lichtes entsprechen. Bei diesen Versuchenerinnerte man sich daran, daß auch auf den Daguerreotypieplatten gelegentlich Farbenzum Vorschein gekommen waren, und die Erklärung war an der Hand der gegebenenHypothese eine leichte und zweifellose.
Diese Versuche von Lippmann, welche zunächst äußerlich nur ein wissenschaftlichesInteresse darboten, sind von anderen Forschern aufgenommen worden und haben zuweiteren Vervollkommnungen geführt. In Frankreich waren es die Gebrüder Lu miere,in Österreich besonders der verdiente photographische Forscher Valenta, welche auf demaussichtsvollen Wege weiter arbeiteten und die Ausgabe besonders dadurch förderten,daß sie Methoden ersannen, um Lippmannsche Schichten von größerer Empfindlichkeitherzustellen. Die Resultate, welche aus diesem Wege gewonnen wurden, sind bereits inein Stadium getreten, daß man ihnen auch eine gewisse praktische Bedeutung nicht ab-sprechen kann, wenn es auch voraussichtlich noch lange dauern wird, ehe eine Lösung desProblems auf diesem Wege erwartet werden kann. Die Hauptschwierigkeit, die sich derForschung hier entgegenstellt, ist die, daß wir heute noch nicht imstande sind, photographischeSchichten von nur einigermaßen großer Empfindlichkeit herzustellen, welche zugleich sofeinkörnig sind, daß sie den Bedingungen der Lippmannschen Versuche entsprechen. Umzu erwähnen, wie weit wir auf diesem Wege bereits gekommen sind, mag der Thatsachegedacht werden, daß die Gebrüder Lumiere derartige farbige Aufnahmen mit Erfolg aus-