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Die Volkswirtschaft.
Man bezeichnet diese Wirtschaftspolitik als die des Merkantilismus. Dievollendetste Durchbildung erfuhr sie durch Colbert, den Minister Ludwigs XIV.Sie beherrschte aber alle europäischen Staaten vom 10. bis 18. Jahrhundert und zwardie Territorialstaaten Deutschlands so gut, wie die großen nationalen Staaten desWestens. Die Binnenzölle und Straßenmauten, welche, teils fiskalischen, teils wirtschaft-lichen Beweggründen entsprungen, den Staat in kleine Wirtschaftsgebiete zerschnitten undden Verkehr hemmten, fielen. An ihre Stelle traten Grenzolllinien gegen das Aus-land, welche nicht nur finanziellen, sondern auch handelspolitischen Zwecken dienten.Hohe Prohibitivzölle und Eiufnhrsverbote hielten die Einfuhr fremder Fabrikate fern,um die Entstehung einer Industrie im Jnlande zu fördern; anderseits erstrebten Aus-fuhrzölle auf Nahrungsmittel und Rohstoffe die Sicherung des eigenen Bedarfs. Durchdie Heranziehung neuer Industrien, die Gewährung von Begünstigungen an neu be-gründete Fabriken, durch Neuordnung der vielfach entarteten und verrotteten Zünfte unddie Beseitigung vieler Beschränkungen des Gewerbebetriebes, wie sie aus der Zeit derStadtwirtschaft überkommen waren, suchte man den Gewerbefleiß zu heben, und wiefrüher die Stadtobrigkeit durch die Beschau, suchte man jetzt durch staatliche Stempelungder Waren und technische Reglements für die Erzeugung die Güte des Fabrikates zugewährleisten. Man zögerte nicht, sogar staatliche Unternehmungen ins Leben zu rufen,Monopolrechte zu verleihen, wo auf anderem Wege die Hebung oder Neueinführuugeiner Industrie nicht möglich schien. Da man den Volkswohlstand abhängig hielt voneiner günstigen Handelsbilanz und seine hauptsächlichste oder sogar ausschließliche Quellein der Ausfuhr von Fabrikaten und in dem Anteil des Landes an dem Handel mitKolonialprodukten suchte, bildete der Erwerb von Kolonien, von deren Ausbeutungalle anderen Nationen ausgeschlossen wurden, und die Beförderung der Seeschiffahrteinen wesentlichen Bestandteil der damaligen Wirtschaftspolitik.
Nach dem Muster Spaniens wurden nacheinander Holland, Frankreich undEngland zu Kolonialmächten. Es war die Zeit der großen, mit Monopolrechten begabtenHandelskompanien, welche, wie die englisch -ostindische, dem Mntterlande ganze Reicheeroberten, der Kolonialkriege und der staatlich organisierten Kaperei als Gegenstück zudem monopolistischen Ausschlüsse der Fremden vom Verkehr mit den Kolonien.
Auch für den Binnenverkehr wurde durch Verbesserung der Verkehrswege und desNachrichtendienstes, durch Regelung des Handelsrechtes, wie des Maß- und Gewichts-wesens, Vorsorge getroffen. Künste und Wissenschaften erfuhren eine eifrige Pflege, jedochmit dem einseitigen Ziele, der Industrie künstlerische Vorbilder und technische Hilfskräfte,dem Staate geschulte Verwaltungsorgane zu liefern.
Voraussetzung des Gelingens dieser staatlichen Bestrebungen war allerdings dasVorhandensein wirtschaftlicher Kräfte, welche in gleicher Richtung wirkten.
Schon vor dem Einsetzen des Merkantilismus hatte der Großhandel in denStädten steigende Bedeutung gewonnen, das gewachsene Handelskapital wurde zum Leih-kapital, aus dem Rentenkanf entwickelte sich das Versicherungswesen einerseits, das ver-zinsliche Darlehen anderseits, aus dem Geldwechsler des Marktes die Girobank, und im16. Jahrhundert finden wir schon ein eigentliches Kreditwesen. Mit der Verbesserungund erhöhten Sicherheit der Straßen steigert sich der Verkehr, und die Verfrachtungder Güter, die der Händler früher selbst besorgte, indem er auf den Messen und Märktenherumzog, wird zu einem selbständigen Erwerbszweig. Einzelne Städte hören auf, bloßSitze des Marktes und der Gewerbe für die Umgebung zu sein, und werden zu zentralenHandelsplätzen, zunächst allerdings nur für wenige Waren des mittelalterlichen Groß-handels; bald aber beschränkte sich das Handelskapital nicht mehr ausschließlich auf diesesenge Gebiet, es ging über zur Ausfuhr von Erzeugnissen des heimischen Gewerbefleißesund rief damit eine Umwälzung im Gewerbewesen selbst hervor.
Die Händler begannen, zunächst für den Absatz in die Ferne, die Erzeugnisse desstädtischen Handwerkes zu kaufen, dem Lohnwerker Rohstoffe zur Verarbeitung zu über-geben und dem Bauer die Erzeugnisse seines Hausfleißes abzunehmen. Das städtische