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Zehnter Band. Der Weltverkehr und seine Mittel. Zweiter Teil: Geistiger Verkehr.
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Die Weltwirtschaft.

Menschen europäischer Rasse sitzen und die Welt beherrschen werden, daß die europäischeund die außereuropäische Hälfte nur durch das Wasser mit einander verbunden seinwerden, das wird die erheblichste politische, volkswirtschaftliche und kulturelle Erscheinungdes 20. Jahrhunderts sein. Von der Art, wie sie sich durchsetzt, wie die einzelnenNationen und Staaten daran teilnehmen, hängt die Geschichte Europas und der ganzenWelt wie der einzelnen Staaten ab. Die Teilnahme an dieser Wasserwanderung, andieser Art der Bevölkerungszunahme wird die Stelle bestimmen, die jede Nation in Zu-kunft im Range der Völker einnimmt." Man hat diese nationale Seite der Auswande-rungsbewegung lang übersehen oder doch unterschätzt und sich in der Beurteilung derAuswanderungsfrage lediglich von wirtschaftlichen Gesichtspunkten leiten lassen. Gewißhängt die Stärke der Auswanderung mit der Gunst oder Ungunst der wirtschaftlichenVerhältnisse in der Heimat eng zusammen. Das Aufblühen der deutschen Volkswirtschafthatte einen starken Rückgang der deutschen Auswanderung im Gefolge, da sich in derHeimat der wachsenden Bevölkerung genügender Erwerb bot und man der schaffendenArme zu Hause bedurfte. Ebenso drückt sich der unbefriedigende Zustand der wirtschaft-lichen Verhältnisse in Italien in der andauernd starken Auswanderung dieses Landes aus,und in Irland hat die wirtschaftliche Not zu einer förmlichen Landflucht geführt, sodaß dieses Land infolge einer bedeutenden Auswanderung trotz der sehr erheblichennatürlichen Vermehrung der Bevölkerung eine Verminderung des Einwohnerstandes aus-weist. Seit 1845, wo die irische Bevölkerung ihren höchsten Stand mit 8,3 Millionenerreicht hatte, ist sie jährlich um 14,8 °/„ gefallen und hat sich im ganzen um zweiMillionen verringert. In solchen Fällen stellt die Auswanderung zweifellos eine krank-hafte Erscheinung am Körper der Volkswirtschaft dar. Wo sie dagegen, Ivie beispiels-weise heute in England, bei einer im allgemeinen günstigen Gestaltung der wirtschaft-lichen Verhältnisse in der Heimat in gleichmäßiger Höhe andauert, ist sie ein regelmäßigesAbströmen des Bevölkerungsüberschusscs, das nur wohlthätig wirkt, insbesondere wennder Abfluß nicht in die Fremde, sondern in die eigenen Kolonien des Aus-wanderungslandes erfolgt.

Die Macht des britischen Reiches beruht zum guten Teil darauf, daß eine heuteschon zehn Millionen übersteigende und fort und fort sich verstärkende Zahl von Eng-ländern in den britischen Kolonien von Nordamerika, Südafrika und Australien die Haupt-masse der Bevölkerung bildet. Der Auswanderer bleibt hier seiner Nation erhalten,seine wirtschaftliche Kraft kommt nicht einem fremden Gemeinwesen, sonder» dem eigenenMntterlande zu gute. Hierin liegt die nicht hoch genug anzuschlagende Bedeutung desungeheuren Besitzes, den England in den genannten Gebieten, Rußland in Zentralasien und Sibirien an ansiedelungsfähigem Lande hat, für die nationale Entwickelung derangelsächsischen und slawischen Rasse. Ähnlich günstig wirkt übrigens die Auswanderungfür die nationale Entwickelung auch dann, wenn die Ansiedelung zwar in der Fremde,jedoch in geschlossenen Gebieten und unter Wahrung der eigenen Nationalität erfolgt.Dagegen bedeutet die Auswanderung nach Ländern, wo der Einwandernde in derMasse der fremden Bevölkerung sich verliert und seine Kinder oder Kindeskinder be-reits vollkommen entnatoinalisiert werden, einen unmittelbaren Verlust an Volkskrast.Wie hoch dies anzuschlagen ist, geht aus der Tabelle auf S. 427 hervor, welche den AnteilDeutschlands an der überseeischen Auswanderung gegenüber den anderen Staaten er-kennen läßt.

Die gesamte deutsche Auswanderung betrug im l9. Jahrhundert etwa6—7 Millionen Menschen, die leider zum größten Teile in Gebiete gingen, wo sieder Entnationalisierung anheimfielen. An unvergoltenen Erziehungskostrn und mit-genommenem Kapital bedeutet das nach einer Schätzung Schmollers allein den Verlustvon 6—8 Milliarden Mark. Nur in einzelnen Teilen von Nordamerika , ferner inSüdbrasilien und in Südafrika sind geschlossene deutsche Siedelungen entstanden. Vonden bisherigen deutschen Kolonien kann als Auswanderungsgebiet für die Zukunfthöchstens Deutsch-Südwestafrika in Frage kommen. Man darf sich über die nationale