Getreidebau und Viehzucht.
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Dir Landwirtschaft.
Getreidebau und Viehzucht.
Die geschilderte rasche Zunahme der Bevölkerung in den westeuropäischen Staatenbewirkte bald, daß immer größere Volksmassen außerhalb der Landwirtschaft Unterhaltsuchen mußten. Daher rührt die in Westeuropa ganz allgemein zu beobachtende Er-scheinung, daß auf die landwirtschaftlichen Berufe ein immer geringerer Prozentsatz derBevölkerung entfällt. Der Bevölkerungszuwachs wurde zum größten Teile von denStädten und der Industrie aufgenommen. Im Jahre 1858 wohnten von der damalsmit ungefähr 26,v Millionen zu veranschlagenden Bevölkerung des heutigen deutschen Reichsgebietes noch 73°/o aus dem Lande, 2?o/„ in den Städten. Nach der Zählung vvmJahre 1895 betrug die Bevölkerung des flachen Landes nur noch 500g der Gesamt-bevölkerung von 51,77 Millionen, und auch von dieser findet ein guter Teil in derIndustrie seinen Unterhalt. Die heimische Landwirtschaft vermochte der gestiegenen Be-völkerung aber nicht nur keine Beschäftigung zu gewähren, sie war auch bald nicht mehrimstande, die nötigen Nahrungsmittel zu ihrem Unterhalte hervorzubringen. Am frühestenist dieser Zustand in England eingetreten. Schon in der ersten Hälfte des 19. Jahr-hunderts erschienen die Getreidezölle, durch die damals die englische Landwirtschaft ge-schützt war, als eine unerträgliche Last für die gestiegene industrielle Bevölkerung, der siedas Brot verteuerten, so daß sie beseitigt werden mußten, und heute erzeugt Englandkaum ein Drittel seines Weizenbedarfcs und weniger als die Hälfte seines Bedarfes ananderen Gctrcidearten im Lande selbst. Ähnlich ist Deutschland — das in den 40 erJahren noch eine Mehrausfnhr von durchschnittlich 4>2 Millionen Meterzentner ver-zeichnete und an der Versorgung Englands mit Brotkorn damals in erster Reihe beteiligtwar — schon seit 1870 aus regelmäßige Getreidezufuhr angewiesen. Heute deckt esseinen Bedarf an Getreide zu einem Fünftel bis einem Siebentel aus dem Auslande.
In welchem Maße es für die einzelnen Getreidesorten hinsichtlich seines Bedarfesvon der fremden Einsuhr abhängig ist, zeigt folgende Tabelle:
Getreideart
I8ÜS/86
1890/91
isssjsn
1897/98
Roggen:
Ernte ^
S 842 658
5 868 078
6 595 758
6 932 506
Mchrcinfuhr I . .
Aussaat l ^
765 680
879 784
924 601
750 397
992 455
989 451
I <>01 911
I 014 352
Verbrauch ^
5 6 l 5 883
5 758 411
6 518 448
6 888 551
per Kops in bA
120
I >7
125
125
Ernte ^
Mehreinfuhr , . .
Aussaat ^
3 074 466
3 323 891
3 182 132
3 259 996
558 343
672 381
1 263 835
1 008 141
423 977
428 073
4,5 710
404 511
Verbrauch '
3 208 832
3 568 199
4 030 257
3 863 626
per Kopf in
69
73
78
72
G e r st e :
Ernte ,
2 264 829
2 283 432
2411 731
2 242 015
Mchrcinfuhr I . .
Aussaat l °
413 330
728 867
911 592
1 045 000
278 781
266 369
270 494
266 562
Verbrauch ^
2 399 378
2 745 930
3 052 829
3 020 453
Per Kopf in Ix
52
53
59
56
Hafer:
Ernte .
4 358 039
4 913 544
5 252 590
4 841 446
Mchrcinfuhr i . .
Aussaat l ^
205 262
187 266
184 044
526 577
530 158
5-48 583
564 016
618 853
Verbrauch ^
4 033 143
4 554 247
4 872 618
4 749 170
per Kopf in KZ
86
92
94
88
Auch Belgien, die Niederlande, Frankreich und in neuerer Zeit Italien führen Getreide regelmäßig in größeren Mengen ein. Allein an Weizen betrug imJahre 1897 die Mehreinfuhr der westeuropäischen Länder über 70 Mill. Meterzentner.
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