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6 Btzn. täglich für ihre Verfestigung zugesichert wurden, traf Anstalt zur Hcrbeischaffung vonSämereien, leistete 8 Eigenthümern von Gebäuden in der Gemeinde Bubikon und einem in derGemeinde Fischenthal Vorschüsse zu Herstellung derselben, und traf die Anordnung, Schindeln ausden benachbarten Staatswaldungen zu Herstellung der vielen beschädigten Dachungen abzuliefern.Auf Bericht der Kommittirten hin beschloß der Regierungsrath am 1. Heumonat, daß Sonntagsden 11. in allen Gemeinven des Kantons eine Liebessteuer für die Geschädigten erhoben werden solle,und er erließ zu diesem Behuf folgende Kundmachung:
Liebe Mitbürger!
Wenn der Ruf, den wir vor anderthalb Jahren an Euch richteten, den schwer heimgesuchten Mitcidgcnossenin mehreren Bcrgkantoncn durch die That Eucrc Theilnahme zu bezeugen, damals allgemeinen und tiefen Anklangbei Euch fand, so wenden wir uns jetzt um so weit zutrauensvoller an Euch, wo es gilt, einem Theile dereigenen Kantonsmitbürger in schwerer Bedrängniß und Noth bcizustehcn.
Mittwoch den 23. vorigen Monats ist ein furchtbarer Orkan, wie er vielleicht seit Jahrhunderten in unsermKanton nie stattgefunden hat, über einen Theil der Bezirke Meilen und Hinwcil, besonders über die GemeindenBubikon, Dürnten, Rüti, Wald, in minderem Maße über diejenigen von Männcdorf, Hombrcchtikon, Stäfa ,Hinwcil und einige Ortschaften der Gemeinde Grüningcn eingebrochen. Binnen kurzer Zeit waren durch dieungewöhnlich großen Schloßen alle Feldfrüchte, welche dieses Jahr in so reicher Fülle zu geben versprach, zer-schmettert; an manchen Orten so sehr, daß es nicht mehr möglich war, zu unterscheiden, welche Getrcidcart vorherda gestanden hatte. Durch den furchtbaren Sturm wurden viele Hunderte der schönsten Obstbäume entwurzelt,die übrigen stehen entblättert wie im Winter da. Eben so große Verheerungen zeigen sich in den Waldungen.Sogar Wohnungen und Scheunen vermochten nicht seiner Macht zu widerstehen; viele wurden bedeutend beschädigt,einige zertrümmert.
Trauernd sehen die schwer Getroffenen auf ihr verheertes Eigenthum, Viele beinahe verzweifelnd, da siedurch sich selbst nicht stark genug sind, um die Zerstörung zu heben. Die Kräfte mangeln ihnen, um ihreFelder zu reinigen, die Sämereien, um sie neuerdings zu bestellen, das Bauholz, um die Wohnungen undbesonders die Scheunen wieder herzustellen. Nur der Gedanke kann sie aufrecht erhalten, daß es ihnen durchdie werkthätige Theilnahme ihrer Mitbürger und Mitchristen, unter des Allmächtigen Schutze, so wie eigenerAnstrengung, allmälig gelingen werde, sich aus ihrer unglücklichen Lage herauszuarbeiten.
Deßwegen lassen wir an Euch, liebe Mitbürger, die Einladung ergehen, Jeder nach seinen Kräften, denso schwer Bedrängten beizustchen. Denket Euch in ihre Lage, denket Euch, was Ihr selbst in derselbenwünschen würdet!
Laßt uns Alle, indem wir unsere Gaben spenden, eingedenk sein, daß treues Zusammenwirken zur Linde-rung der Noth eine Bedingung der Wohlfahrt des Vaterlandes und werkthätige Bruderliebe die schönste Pflichtdes Christen ist.
Wir verordnen demnach, daß in allen Gemeinden des Kantons eine Liebcssteucr für die Beschädigten derBezirke Meilen und Hinwcil eingesammelt werde, und zwar entweder Sonntags den 11. Heumonat in derKirche oder in der gleichen Woche von Haus zu Haus.
Die Stillstände werden im Vereine mit den Gemcindräthen bestimmen, welches Verfahren (mit Rücksichtaus Geld- oder Naturalbciträge) in jeder Gemeinde zu beobachten sei, und beförderlich den Ertrag der Steuer,in wie weit dieselbe in Geld besteht, den Statthalterämtern zu Handen des Rcgierungsrathes zustellen, in wieweit dieselbe in Naturalien besteht, das Weitere gewärtigen.