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Memorabilia Tigurina oder Chronik der Denkwürdigkeiten des Kantons Zürich 1840 bis 1850 / von Friedrich Vogel
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eingeladen, einen Theil sofort dahin zu instradiren, den Statthaltcrämtern Auftrag ertheilt, denGemeindräthen die Weisung zu geben, für Unterbringung und Verpflegung der ankommendenFlüchtlinge in der ihnen angemessen scheinenden Weise zu sorgen, wofür ihnen seinerzeit einemäßige Entschädigung etwa im Betrage der Hälfte des Quartiergeldes für eidgenössische Truppenbezahlt werde. Der Regierungörath werde dafür sorgen, daß da, wo solche Flüchtlinge aus längereZeit Aufenthalt zu nehmen angewiesen werden, die Verpflegung derjenigen unter denselben, welchesich nicht im Besitz von Subsistenzmitteln befinden, von Staats wegen mit thunlichster Schonungder Gemeinden und in möglichst haushälterischer Weise angeordnet werde. Es wurde ein eigenesFlüchtlingskommissariat aufgestellt und dem Herrn Bürgermeister vr. Eschcr die Oberaufsicht überseine Verrichtungen und seine Ernennung übertragen. Endlich wurde Herr Oberst Zicgler ein-geladen, die sämmtliche Mannschaft so schnell als möglich in die Linie vorrücken zu lassen. Um10 Uhr sammelte sich daö Bataillon Bantli, Nachmittags das Bataillon GinSberg, die Scharf-schützenkompagnie Burkhard, die Artilleriekompagnie Zelter und eine halbe Kompagnie Kavalleriehinter der Kaserne: allein erst Abendö 7 Uhr marschirte daS Bataillon Bantli und die Kavallerieab; hinter ihnen fuhren Wagen, welche die Truppen noch in der Nacht nach Egliöau und WeyachtranSportirten. Um 9 Uhr marschirte das Bataillon Ginsberg ab, um 10 Uhr die Scharfschützen.Sie wurden nach Marthalen und Benke» geführt; erst NachtS 1l Ubr trat die Artillerie ihrenMarsch nach Bülach an, und inzwischen hüteten die 2 Landwehrbataillone die Grenze.

Sigcl wünschte den Herrn RegierungSkommissär Benz zu sprechen, der ihm auf Mitt-woch Morgens 5 Uhr die Stunde ansetzte. Bald langte aber ein Brief SigelS an, folgendenInhalts:Da ich soeben die Nachricht erhalte, daß der Feind gegen Thiengen und Oberlauchingcnvorgerückt ist und morgen unserer Stellung sich nähern wird, so bitte ich Sie, statt morgenfrüh heute Nachts um 12 Uhr in Lottstetten zu sein. Der Kommandant der badischen Truppen:Sigel." Um diese Zeit begab sich Herr Benz mit 2 Zeugen, Herrn Oberstlieutenant Schmidund Statthalter Unholz, an den bezeichneten Ort. Sigel und Willich versuchten eine Art Kapi-tulation für den Uebertritt zu erhalten, allein der Kommissär erklärte entschieden, wenn sie in dieSchweiz wollen, so müssen sie sich ganz unbedingt allen Anordnungen und Beschlüssen der Behördenunterziehen. Auch diesen Uebertritt werde man ihnen verweigern, wenn sie kämpfend den Schweizer Boden betreten; in einem solchen Fall würde die Pflicht der Selbsterhaltung gebieten, ihnen mitden Waffen den Eintritt zu verwehren. Nach einer längern Besprechung erklärte Sigcl, er suchedas Asyl in der Schweiz nach und mache keine Bedingungen für die Aufnahme, der RegicrungS-kommissär möge die ihm erforderlich scheinenden Anordnungen treffen. Willich erhob beständigEinwendungen und erklärte, er nehme auf diese Weise daS Asyl nicht in Anspruch, man könneja nachher mit ihnen machen was man wolle. Der Kommissär besah! nun, daß die Geschütze mitdem regulären Militär bei Rafz, ein Theil der Freischaaren bei Rheinau und ein anderer Theilbei Schaffhausen die Grenze um 6 Uhr betreten soll. Nach der Unterredung begab er sich zurück,»m die erforderlichen Anordnungen zu treffen, damit die Leute untergebracht werden.

Am 11. Juli fand nun wirklich der Uebertritt deS Sigel'schen Korps in die Schweiz statt.Die Uebergetretenen betraten, Sigel mit Generalsepauletten und umgeben von seinem Stab ander Spitze, den Schweizer Boden bewaffnet, defilirten durch die etwas rückwärts von der Grenzezu Rafz aufgestellten Truppen und wurden dann entwaffnet, die Waffen auf Wagen geladen, die