Buch 
Memorabilia Tigurina oder Chronik der Denkwürdigkeiten des Kantons Zürich 1840 bis 1850 / von Friedrich Vogel
Entstehung
Seite
432
JPEG-Download
 

gelegt wurde (siehe frühere Chronik S. 632> Im Jahr 1836 wählte die Gemeinde eine Kom-mission, die Bauplane und Kostenberechnungen entwerfen, auch allfällige Unterzeichnungen fürfreiwillige Beiträge u. a. sammeln sollte. Wichtige Straßcnbauten nahmen aber die Kräfte derGemeindsbcwohner während einer Reihe von Jahren so sehr in Anspruch, daß man erst am29. Dezember 1844 daran denken durfte, der Gemeinde den Antrag zu einem neuen Kirchenbauzu hinterbringen. In der Gemeindsversammlung an dem bemerkten Tag wurde ein Plan undModell, Kostenberechnung und ein Verzcichniß von freiwilligen Gaben und Abtretungen zur Er-leichterung des Kirchenbaues vorgelegt, worauf die Versammlung einmüthig beschloß, eS soll aufdem Platz der alten Kirche eine neue nach dem vorliegenden zwar noch näher zu prüfenden Planeerbaut werden, hiefür eine Summe von 52,000 fl. festsetzte und eine Baukommission wählte, anderen Spitze Herr Regierungsrath I. I. Wieland stand. In den ersten Monaten des Jahres1845 begannen schon die Erdarbeiten, am Betttag dieses Jahres wurde in der alten Kirche derletzte Gottesdienst gehalten und solche in den darauf folgenden Tagen abgetragen. Die betreffendePredigt des Pfarrers Herrn I. I. Sprüngli kam nebst historischen Notizen über die alte Kirche, Grund-riß und Ansicht derselben in einer Broschüre im Druck heraus. Derselben ist auch ein Verzcichnißder Pfarrer der Gemeinde nebst biographischen Notizen über solche und der Kirchenbeamtenangeschlossen und den Schluß derselben macht ein Gedichtbei der Ruine der halb abgebrochenenKirche". Die Gemeinde hielt nun zwei Jahre lang ihren Gottesdienst in einer auf dem neuenFriedhof errichteten Brettcrhütte. Am 18. April 1846 fand die Grundsteinlegung des neuen Gottes-hauses statt, am 16. August die Aufrichtung der Kirche, im November diejenige des Thurmes,im Juni 1847 langten die neuen Glocken an und am 24. Oktober, gerade als die ersten eidge-nössischen Truppen gegen den Sonderbund aufgeboten wurden, fand die Einweihung der Kirchestatt. Das Musikorchester von Zürich und ein zahlreicher Chor von Sängern und Sängerinnenverschönerten durch Gesänge (unter andern Chöre aus Haydn'S Schöpfung und eine Hymne vonMozart ) die Feier. Reden wurden gehalten von den Herren Regierungsrath Wieland, KirchenrathMeyer und Pfarrer Sprüngli (nach Psalm 100, 15).

Die Kirche ist in dem nämlichen Baustil, wie mehrere andere seit den letzten 80 Jahren imKanton erbaute aufgeführt; es ist die zentrische Form, das Schiff ein Quadrat, über demselbendrei Emporen und der mittlern derselben gegenüber an der Thurmseite die Kanzel, hier in einerNische angebracht. Unter derselben steht der Abendmahlstisch und vor diesem der Taufstein.Der Kirchenraum wird von 19 hohen Fenstern mit Rundbogen beleuchtet. Die Decke ist etwasgewölbt, das Innere bemalt und mit Stukkaturarbeit verziert. Der Kirchthurm, wie dieKirche mit Sockel und behauenen Ecken, hat von den Schalllöchern aufwärts bchauenes Gemäuer,eine Altane und über derselben eine mit Weißblech bedeckte, steinfarb bemalte Kuppel in Formder Großmünstcrthürme in Zürich .

Neben anderem wurde der Kirche ein Altargemäldc, von in Rom sich aufhaltenden Gemeinds-bürgern fünf gemalte Fensterköpfe und ein Tuch über den Abendmahlstisch geschenkt.

Von den 1000 Kirchenstühlen wurde ein bedeutender Theil verkauft und 23,582 fl. 39 ß.erlöst, wogegen für Kirchenörtcr in der alten Kirche 1725 fl vergütet werden mußten. Ein Theilder übrigen Plätze ist vermiethct, ein Theil, namentlich auf der mittlern Empore, frei gegeben.

Die vier neuen von Rosenlächer in Konstanz gegossenen Glocken wiegen zusammen 9987 Pfund.