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17 (1837) Der Kanton Thurgau, historisch, geographisch, statistisch geschildert ... : ein Hand- und Hausbuch für Kantonsbürger und Reisende / J. A. Pupikofer
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An der Spitze des thurgauischen Adels standen die Grafenvon Winterthur, die ihre» Sitz bald in Kyburg nahmen; dieGrafen von Wülflingen, ein Zweig derselben, die Grafen vonToggenburg , im obern Thucthale und im Murgthale. Sienannten sich Grafen nicht des Richtecamtes wegen, sondernwegen der Große ihrer Besitzungen. Im Gegensatz zu ihnenhieß nun der eigentliche Graf Landgraf, und sein Vicar Land-richter.

Die Edelleute waren entweder Reichsfceie oder Dienst-leute; die Dienstleute als solche entweder den eben genanntenGrafen oder den geistlichen Herren von Konstanz, St. Gallen ,Reichen«», Rhema» zur Heeresfolge verpflichtet. Unter denreichSfreien Edelleute» des Thurgau's zeichneten sich aus: dieHerre» von Klingen, Märstetten, Bußnang, Bürglen , Grießen-berg, Güttingen, Arbon, Mammern, Steckborn u. s. w.

Die Burgen der Edelleute, die überall auf den Hügel-spitzen , in Moorgründen, zwischen den Schluchten der Wald-bache sich aufthürmte», glichen einem ehernen Netze, das überdem Lande lagerte und es dienstbar erhielt. Jagdgetümmelund Kampfgewühl war das Lebenselement der Burgbewohnec.Doch neben der Körperkraft und Kciegeslust blühte auch Bie-derkeit, hochherzige Begeisterung und edle Zartheit. Zeuge da-von ist in der mittelalterlichen Dichtkunst das Minnelied undder Heldingesang. Der Lanzelot Ulrichs von Zazikofen (Ze-zikon ), die Lieder Ulrichs von Singenberg, Walters vonKlingen, Heinrichs v. Rngge, des Freiherren v. Wä'ngi,denen wir auch den Sängerfreund Heinrich von Klingen-berg, Bischof von Konstanz , den Sänger Gast, Bligger vonSteinach, Wachsmulh von Kenzingen, vielleicht selbst den un-glückliche» Conradin von Schwaben beizählen können, beweise»,daß nicht bloß roher Waffenklang, sondern auch der Ausdrucksanfter Gefühle in den Hallen der thurgauischen Burgen wie-dertönte.

In diese Zeit fällt auch die Stiftung der Klöster Fischin-ge», Kreuzlingen. Münsterlingen , Jttingen, Paradies, Katha-rinatbal, Feldbach, Tänikon, der Propstei Wagenhausen , derComthurei Tobel und vieler Kirchen und Kapellen. Nie wur-den zu religiösen Zwecken größere Opfer gebracht. Bei derTheilnahme an den Kreuzzügen setzten Viele ihr Gut und ihrLebe» ein, um nach der Ansicht ihrer Zeit Gott zu verherrlichen-

Im Jahr 126st ging die Grafschaft Kyburg und mit ihrdie Landgrafschatk Thurgan durch Erbschaft von Graf Hart-mann von Kyburg au Graf Rudolf von Habsburg über. Die-ser Graf wurde bald nachher König, so wie nach ihm sein SohnAlbrecht. Mit ihnen hörte die eigentliche Ritterzeit aus.

Die Zeit der Eidgenössischen Freiheitskämpfe.

In den Schlachten bei Morgarten, Sempach, Näfels lit-ten unter Oesterreichs Pannern die thurgauischen Edelleute, unddie Zuzüger aus den Städten Franenfeld und Dießenhofe»große Einbuße».