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Im Innern der Häuser herrscht ziemliche Ordnung und eineReinlichkeit, die vielleicht nur von den Appenzelleru und Tog-genbnrgern übertreffe» wird. Die Fenster sind fast überall mitVorhängen versehe»; die Wände mit einigen Tafeln, Spiegeln,mit Schränken, mit sogenannten Kantrumme» und Buffecen,und die Ecke mit einem Kruzifix geziert. Auch hier pickt imenge» Thürmchen die Schwarzwälderuhr mit traulichem Schlageden Takt der Zeit, sowie bei der Thüre das Weihwafferkesse-lein nirgends vergessen ist. In viele» Häusern findet man sehrsaubre Tischlerarbeit. Von den Wohnungen etwas entferntstehen die Holzschöpfe und die Gaben oder Schenren. Deruntere Theil oder der Viehstall ist fast überall von Mauer,der obere Theil, das Heumagazin, von gezimmerten Balken, ,welch« blos gegen die Wetterseite mit Brettern verschlossen zuwerden pflegen. In Obwalden nennt man die Heugäde» Boni,wahrscheinlich von Bühne. Weder Stall noch Gaben, obwohlordentlich gebaut, enthalten hier die neue, verbesserte Einrich-tung zur Fütterung des Viehs; so wie für die Aufbewahrungder Jauche, hier Mistbrühr genannt, und den Dünger n-icnachlässige Vorsorge getroffen ist. Scheunen als Kornmaga-zine giebt es keine, wohl aber zur Seite des Stalls angebrachteDcesch-Ten»e.n. Das Heu wird nur etwa in Engelberg einge-fahren, sonst überall in Bürden auf der Schulter eingetragen.Dieses ist nicht blos der Stalleinrichtung zuzuschreiben, son-der» auch dem Umstände, weil zur Heuerndte das Rind- undPferdevieh sich in den Alpen befindet. Die Sennhütten in denAlpen sind oft sehr einfache Wohnungen, jedoch findet manhin und wider darin schon eine Art Stube und Schlafkammerund andere bedeutende Verbesserungen. Die Betten auf denAlpen heißt man Lastern, und bestehen aus Decken mit Berg-heu ausgestopft. Speicher heißt man die Käsemagazine, wel-ch« gewöhnlich anf vier Pfählen, der Verlüftung wegen, vomBoden etwas erhöht an bequemen Abladungsplatzen der Käse-träger aus den Alpen stehen und sehr einfach find. GrößereMagazine finden sich in den Dörfern und an Landungsplätzen.Eine sehr freundliche Einrichtung für Bergwaudercr und be-sonders für die Käseträger und Alpenfahrec sind die sogenann-ten G'hirmhüttli *), d. i. Ruheplätze, aus Balken zusammen-gefügte Hüttchen mit Sitzbänken. — Die schönste» GebäudeUnterwaldens find unstreitig die Kirchen und Kapellen, dereneinige wahre Tempel zu nennen find. Einzelne schöne Gebäudekann man auch die Klöster, die Rathhäuser und manche Pri-vatwohnnng in beide» Theilen des Landes nennen.
Die Anzahl der Gebäude im hiesigen Kanton beruht un-gefähr auf folgenden Verhältnissen:
L. Obwalden. Scheunen, Gäbe», etwa 3060, Wohn-häuser 1800, eigentliche Sennhütten in den Alpen 4.A), Kir-chen und Kapellen 58. Jndnstriegebände: Wirthshäuser 60,Schmidt«» 22, Holzsägen 15, Kornmühlen 13, Oeltrokten 8,Werkreiben 6, Färbereien Z, Gerbereien 3, Ziegelhütken 2,Schiffbauhütten 1, Gypsmühlen 1, Banmwollenfabrikeu l, Most-pressen 10 bis 12, Schießstände 10.
Von g'hirmen, Athem schöpfen, ausruhen.