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Geschichte der Architektur von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart / dargestellt von Wilhelm Lübke
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Fünftes Buch.

Marienkirche daselbst, im J. 1400 vollendet, noch überboten wird.Doch spürt man in diesen späteren Bauten bei gesteigerten Maassen bereitsein Erkalten des feineren architektonischen Sinnes, wie denn in der letzt-genannten Kirche der bereits am Schweriner Dome bemerkte hässlicheFensterschluss vorkommt.- Auch die imposante Marienkirche zuStargard , deren achteckige Pfeiler merkwürdiger Weise dicht unter denKapitalen einen Kranz von Xischen mit zierlichen Baldachinen haben,.schliesst sich dieser Gruppe an.

Kirchen in Mancherlei abweichende Elemente, wenngleich auf der gemeinsamen

der Mark. ß runc ]i a g e ähnlicher Planform, geben sich an der im edelsten friihgothischenStyl seit 1273 erbauten, jetzt nur noch als malerische ltuine vorhandenenCister/.ienscr-Abteikirche Chorin kund. Ihre Pfeiler schwanken zwischenviereckiger und achteckiger Form und zeigen vcrscliiedne Gliederung. DerChor ist dem Querhause einschiffig vorgelegt, aber in reicher Polygonformgeschlossen. Die elegante Schlankheit, die klare Lauterkeit der Verhält-nisse , der einfache Adel der Formen , erheben diese Kirche zu einer derschönsten Schöpfungen des Ziegelbaues. Selbst die Fenster haben, eine indieser Architektur seltne Erscheinung, Krönungen von mannichfach ge-staltetem Masswcrk. In edel entwickeltem Styl und verwandter, gross-artig durchgeführter Anlage erhebt sich der von 13S5 bis 1111 erbauteDom zu Havelberg .

Hallen- Aus der grossen Anzahl von Hallenkirchen nennen wir zunächst als

kirrhen. e j ns t ] er glänzendsten Beispiele die Marienkirche zu Prenzlau , von132ü bis 1 310 errichtet. Ihre viereckigen Pfeiler sind lebendig gegliedert,der Chor ist in ganzer Breite der drei Schiffe geradlinig geschlossen. Wasdieser Kirche aber ihre eigenthümliclie Bedeutung gibt, das ist die eben sokühne als zierliche Anwendung durchbrochenen Stab- und Masswerks,welches , durch elegante Fialenaufsätze gekrönt, dem Aeusseren , nament-lich dem Ostgiebel, eine höchst brillante Erscheinung verleiht. Zwei statt-liche viereckige, ziemlich massenhaft behandelte Thürme erheben sich ander Facade. Die Ka th arinenkir ch c zu Brandenburg , vomJ. 1401, wetteifert an zierlich durchbrochner Dekoration des Aeusseren mitder vorhergenannten Kirche. Das Innere hat drei ziemlich hohe Schiffe,einen polygon geschlossenen Chor mit Umgang, achteckige, fein gegliedertePfeiler, theils Kreuz-, theils Xetzgewölbe. Hunde Arkadenpfeiler mitvier Diensten zeigt dagegen der ebenfalls im 15. Jahrli. erbaute Dom zuStendal . Die Schiffe sind nur annähernd gleich hoch, die Kreuzarmehaben an der Ostseite ein niedriges Xebenschiff. Die sehr edlen Verhält-nisse erhalten durch die harmonische Farbe des auch im Inneren unverputztgebliebenen Ziegelmateriales noch höhere Wirkung. Von den zahlreichenKirchen Pommerns erwähnen wir die Marienkirche zu Colberg (Mariagloriosa), einen Bau von grossartigen Verhältnissen mit fünf Schiffen, derenäusserstes Paar jedoch ein späterer Zusatz ist. Ihre Pfeiler sind achteckig,mit feinen ltundstäben gegliedert. Eine breite Thurmhalle schliesst imWesten den Bau, der wahrscheinlich um 1320 vollendet wurde. InGreifswald sind die J ak o b i k i r ch e , mit einfachen runden Pfeilern,und die Marienkirche, mit verschieden geformten Pfeilern und gerademChorschlusse der drei Schiffe, hierher zu zählen. Durch kolossale Ver-