Fünftes Buch.
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15. .TaVirh. angehörend, gibt mit ihren fast gleich hohen Schiffen und denaus den Pfeilern unmittelbar sich verzweigenden Netzgewölben ein Beispielder letzten Entwicklungsstufe dieses Styles.
Profanb,niten. Die Profan bauten der gothischen Epoche geben gerade in Deutsch land
den Eindruck grösster Mannichfaltigkeit. Nicht allein aus der Bestim-mung der Gebäude, sondern auch aus dem Charakter der einzelnen Gegendenund besonders aus dem zur Anwendnng kommenden Materiale erzeugt sichdie anziehendste Verschiedenheit der Sondergruppen. Dem Hausteine derwestlichen und südlichen Gegenden steht nicht allein der Backstein deröstlichen und nördlichen gegenüber : es kommt als dritte Gestaltung eigen-Fachwerks- thümlicher Art noch ein Facliwerksbau hinzu, der gerade in den holz-bau ' reichen, gebirgigen Kreisen Mitteldeutschlands , besonders des Harzes,reiche , durchaus originelle Werke hervorgebracht hat. Hier werden dieStockwerke auf konsolenartig behandelten Balken über einander vorgekragt,und die Balkenköpfe mit Schnitzwerk in vegetabilischen Formen, Thier-und Menschenbildungen geschmückt, auch oft Erker und andere Ausbautenangeordnet, so dass ein Ganzes von ungemein malei'isclier Wirkung sichergibt. Schöne Beispiele dieser Art findet man in Braunschweig, II a 1-ber Stadt, Quedlinburg , Hannover , Hildes heim, meistens demBereiche der Privatarchitektur angehörig. Ein zierliches Rathhaus in diesemStyle besitzt Wernigerode am Harz .
Hausteinbau. Von Bauwerken der Haustein - Architektur haben wir bereits obenmehrere Abbildungen gegeben (vgl. das Schauhaus zu Nürnberg , Fig. 151,und das steinerne Haus zu Frankfurt am Main , Fig. 166). Eins deredelsten Gebäude dieser Art, eine Perle gothischer Profanarchitektur, istdas im J. 1393 begonnene Rathhaus zu Braun sch w cig (Fig. 1 67). Esbesteht aus zwei rechtwinklig verbundenen Flügeln , die durch einen vorbeiden Geschossen sich hinziehenden Laubengang ausgezeichnet sind. Diefrei durchbrochenen Giebel, welche die einzelnen Abtheilungen des oberenGanges krönen, haben ein Masswerk von eleganter Durchbildung. — Mitstattlichem, auf einem pfeilergetragenen Laubengangc ruhenden Giebel istdas ebenfalls aus dem 14. Jahrh. stammende Rathhaus zu Münster ge-schmückt. — Derselben Zeit gehören das Altstädter Rathhaus zu Prag und das grossartige Rathhaus zu Breslau mit reich entwickeltem Erkerbauan. •—• Ein Beispiel üppig dekorativer Behandlung bietet der Rathhaus-thurm zu Köln , von 1407 bis 1414 errichtet, während der Gürzenich,das alte Kaufhaus daselbst, von 1441 bis 1474 ausgeführt, mehr durchschlichte, strenge Massenhaftigkeit imponirt. — Stattliche Privathäuserfindet man in Nürnberg , Münster , Lemgo und an anderen Ortennoch vielfach zerstreut. — Unter den Schlossbauten zeichnet sich durchGrossartigkeit der Anlage die Albrechtsburg zu Meissen , von 1471bis 1483 erbaut, vor allen ähnlichen deutschen Gebäuden aus. Leider bietetdies treffliche Denkmal, gegenwärtig als Porzellanfabrik benutzt, den An-blick traurigen Verfalls und unwürdiger Entstellung.
Backsteinbau. In den Ländern des Backsteinbaues haben sich ebenfalls manche be-deutende Denkmäler dieser Art erhalten. Von der reichen dekorativen