Urzeit. Epoche der vierten Dynastie, ihrer Vorgänger u. Nachfolger. t
— Die Ziegel-Pyramiden wurden, wie es scheint, nicht in jenen»rossen Absätzen gebaut, wozu auch, bei der Kleinheit undHäßlichkeit des Materials, eine minder dringliche Veranlassungvomg. Doch ist anzunehmen, dass die grossen, aus diesem Ma-terial errichteten Denkmäler durch Umlagen von Mänteln ähnlichwie die grossen Stein-Pyramiden angewachsen sind. Iin Aeussernerhielten die Ziegel-Pyramiden eine Verkleidung von Quadern,die ihre Erscheinung der der andern gleich machte.
Im Grunde der Pyramiden, zumeist in dem Felsboden aus-gehauen und mit mächtigen, wohlgefügten Quadern bekleidet,befindet sich die Grabkammer des Königs, welche den Sarkophagaufnahm. Wo nicht die Felsmasse zugleich die Decke der Kam-mer ausmacht, wurde diese durch kolossale, übereinander vorkra-gende oder sparrenförmig gegeneinander stehende Blöcke gebildet.Ein enger Gang, je nach Bedürfnis sich senkend oder horizontal,durch den Fels gehauen oder in dem Mauerwerk der Pyramideausgespart, führt von der einen Aussenseite zur Grabkammer.Veränderungen in dieser einfachen Anlage, das Vorhandenseinmehrerer Kammern und Gänge, sind in der Regel ein Ergebnissder veränderten Zwecke und Erfordernisse, die sich hei dem wei-ter gedehnten Anwachsen der einzelnen Pyramide ergaben. Wäl-der Sarkophag des Königs in die Grabkammer gebracht, so wurdediese, nach vorher getroffener Vorkehrung, durch gewaltige Fall-thüren von Granit geschlossen, wurde der Gang selbst durchkolossale Blöcke verrammelt. Die Oeffhung des letzteren nachaussen verschwand unter, den Steinen der Bekleidung. Dochwurden an dieser Stelle, wie es scheint, auch vielleicht an andernStellen, Tafeln mit hieroglyphischen Inschriften eingesenkt, wäh-rend im Uebrigen nicht anzunehmen ist, dass die Aussemvändeder Pyramiden einen andern Schmuck als den der Politur ihrerBekleidungssteine hatten. — Nach der Eroberung Aegyptens durchdie Araber sind, trotz jener gründlichen Maassregeln, die Grab-kammern der Pyramiden erbrochen und ausgeraubt, auch dieSteine ihrer äusseren Bekleidung — soweit man überhaupt dieMassen der Pyramiden stehen liess — bis auf wenige Reste ab-genommen worden.
Die Pyramiden wurden genau nach den Himmelsgegendenorientirt. Vor der einen Seite, gen Osten, lag ein besondreslleiligthum, für den religiösen Dienst zum Gedächtniss des Ver-storbenen bestimmt; entweder eine kleinere, mit dem Bau derPyramide in Verbindung stehende Vorhalle , oder ein grösserer,abgesondert liegender Tempel. Die geringen Reste dieser Pyra-midentempel zeigen die Anlage einfachen Mauer-Umschlusses,
1 Ueber den Stufenbau der Pyramiden berichtet schon Herodot , II, 125. DieWeise des Vergrösserungsbaues durch umgelegte Mäntel ist durch Lepsius ent-deckt worden. Vergl. dessen Bericht über den Bau der Pyramiden, in denMonatsberichten der Akademie der Wissenschaften zu Berlin, 1843, S. 177, if.