Buch 
1 (1859) Geschichte der orientalischen und antiken Baukunst / von Franz Kugler
Entstehung
Seite
8
JPEG-Download
 

8

1. Das alte Aegypten.

wiederum in mächtigen Blöcken ausgeführt, doch noch nichts,was auf ein lebendiger durchgcbildctcs Bauwesen, namentlichauf einen Säulenbau, hindeutete. Die einzelne Gesammt-Aidtoeewar durch einen mauerumgebenen Ilof eingeschlossen, zu fceine wohlgearbeitete Strasse emporführte. Um das Werk desKönigs breiteten sich, in verschiedenartiger Anlage, die Gräberandrer Personen aus der Epoche seiner Herrschaft hin.

Die ältesten Pyramiden, die man mit einiger Zuversicht nach-weisen zu können meint, findet man unter denen von D ah sc hur.Namentlich die beiden grössten von diesen werden für Werkevon Königen der dritten Dynastie gehalten. 1 Die grosse nörd-liche Ziegel-Pyramide dieser Gruppe wird, nicht ohne Grund,als diejenige bezeichnet, welche nach llerodots Bericht einemKönige Asychis .zugeschrieben ward und, so charakteristischfür das stolze Selbstbewusstsein des Aegypters wie bezeichnendfür die Bauführung, die Inschrift hatte:Nicht missachte michneben den Pyramiden von Stein. Denn ihnen gehe ich voran indem Maasse, wie Zeus (Ammon) den andern Göttern. Denn mitdem Kuder griffen sie in den Morast, und was von dem Schlammean dem Ruder haftete, das nahmen sie und bildeten Ziegel dar-aus. Und auf solche Art ward ich gemacht. « In der That istdiese Pyramide nicht nur ihrer Grösse nach bei Weitem dieansehnlichste der ganzen Gruppe, -sondern auch in ihrer gedie-genen Ausführung, die trotz ihrer grossen Zerstörung noch deut-lich erkennbar ist, vor den übrigen, namentlich auch vor denStein-Pvramiden derselben Gruppe, ausgezeichnet. Ihre Beklei-dung bestand aus mächtigen Quadern. Sie maass an der Grund-linie 350 Fuss ; ihre ursprüngliche Höhe ist zu 215 '/ 2 F. berechnet.(Gegenwärtig ist sie nur noch bis zur Höhe von 90 F. erhalten.)ihre Vorhalle hatte eine Decke von übereinander vorgekragtenSteinen, welche innen in einer Gewülblinie abgerundet waren. 3Der vierten_Dynastie gehören die Pyramiden von Gis ehan, welche schon das Alterthum als Wunderwerke anstaunte undwelche noch heut, ob auch ihres äussern Glanzes beraubt, einenüberwältigenden Eindruck auf den Besucher des alten Todten-feides hervorbringen. Es sind drei höchst kolossale Denkmäler,die sich über den untergeordneten Anlagen erheben. Ihr Mate-rial besteht aus riesigen Steinquadern.

Als die frühste dieser Pyramiden gilt diejenige, welche derGrösse nach die zweite ist, die des Schafra (Chefren, Ivephrenoder Chabrys bei den griechischen Schriftstellern). Sie maass ander Grundlinie ursprünglich 707 Fuss 9 Zoll (jetzt 690 F. 9 Z.),an senkrechter Höhe 454 F. 3 Z. (jetzt 447 F. 6 Z.) An Mauer-werk enthielt sic ursprünglich 71,670,000 lvubikfuss. Die Aus-führung des Mauerwerks in der inneren Masse scheint hier noch

' Lepsius, über den Dau der 1yramiden. 2 Herodot, II, 130. 3 liunsen,a. a. O. II, S. 91, ff. (The Pyramids etc. III, 58, ff.)