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1 (1859) Geschichte der orientalischen und antiken Baukunst / von Franz Kugler
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Urzeit. Epoche der vierten Dynastie, ihrer Vorgänger u. Nachfolger.

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minder vollendet, als bei den beiden andern Pyramiden. IhreBekleidung: bestand aus gediegenem, sogenannt troischem Kalk-stein, vom jenseitigen Ufer; ein grosser Theil derselben ist ober-wärts, 130 bis 150 Fuss von der nur wenig zerstörten Spitzehinab, noch erhalten. Die untersten Lagen der Bekleidung be-stehen aus Granit. Diodor berichtet (I, 64), dass diese Pyramidekeine Inschrift gehabt habe und dass auf der einen ihrer Seiten-flächen Staffeln, um emporzusteigen, eingehauen gewesen seien.

Auf sie folgt die gewaltigste aller Pyramiden, die des C h uf u__(Cheops oder Chembes -bei den Griechen). Ihre Grundliniemaass ursprünglich 764 Fuss (jetzt 746 F.), ihre Scheitelhöhe480 F. 9 Zoll (jetzt 450 F. 9 Z., indem sich oben eine Terrassevon etwa 33 Fuss im Quadrat gebildet hat); ihr Kubikinhalt89,028,000 Kubikfuss. Die Pyramide ist in ihrer inneren Ein-richtung eigenthümlich merkwürdig durch die Anlage von dreiGrabkammern, zu denen hin sich der Eingang in verschiedeneGänge verzweigt, und durch die äusserst sorgfältige Weise, inwelcher die Blöcke, die die wichtigsten dieser inneren Theilebekleiden, behandelt sind. Die eine Kammer liegt tief im Felsen,ihr Boden 102 Fuss unter der Grundlinie der Pyramide; zu ihrführt ein in gerader Linie geneigter Gang von 320 Fuss Längehinab. Ehe dieser Gang die Grundlinie der Pyramide berührt,wendet sich ein zweiter Arm in umgekehrt schräger Richtungaufwärts. Auf der Hälfte seines Weges theilt der letztere sichwiederum, in horizontaler Richtung zu der sogenannten Grab-kammer der Königin und in derselben aufsteigenden Linie zuder Grabkammer des Königs führend. Diese zweite Hälfte desaufsteigenden Ganges nimmt die Gestalt einer grossen Galleriean, die, bei 5 Fuss 2 Zoll Breite, 28 F. hoch und 150 F. 10 Z.lang ist. Ihre Bekleidung besteht aus kolossalen Blöcken vonfeinster Bearbeitung und Fugung; nach oberwärts kragen dieSteinschichten übereinander vor, die Last der Decke zu verrin-gern. Zu beiden Seiten des Ganges sind niedrige Brüstungen,die ohne Zweifel für das Emporschaffen des Sarkophages bestimmtwaren. Die Grabkammer des Königs liegt 138 F. 9 Z. über derGrundlinie der Pyramide. Sie ist im Innern ganz mit geschliffe-nem Granit bekleidet. Ihre Höhe ist 34 F., bei 17 F. Längeund 19 F. Breite. Neun grosse Granitblöcke, neben einanderliegend, bilden die Decke des Gemaches. Doch haben sie demBaumeister nicht genügend geschienen, die Last des über siegethürmten Theiles der Pyramide zu tragen. Vier niedrige Ge-mächer, von 2 bis gegen 5 Fuss Höhe, über der Grabkammer,eins über dem andern angeordnet, sind durch ähnliche Lagenkolossaler Granitblöcke von einander geschieden, ein fünftes zuoberst ist mit sparrenförmig stehenden Blöcken eingedeckt. DerRaum dieser Entlastungen, von der Decke der Königskammer bis

Kugler, Geschichte der Baukunst. 2