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1 (1859) Geschichte der orientalischen und antiken Baukunst / von Franz Kugler
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I. Das alte Aegypten.

mal von oblongem Grundriss bildete. Ein andrer ähnlicher Baudieser letzteren Art befindet sich im südlichsten Punkte der Gruppevon Saccara, im Uebergange zu der von Dahschur. Er heisstPharaos Thron , Mustabat el Faraün, und hat die bedeu-tende Ausdehnung von etwa 300 Fuss Länge, 200 F. Breite und30 F. Höhe.

Die Grabmäler derPrivatpersonen, von denen die Py-ramiden umgeben sind, 1 wiederholen zum grössten Theil, ob auchim kleineren Maassstabe, die eben bezeichnete Form eines längli-chen Rechteckes, mit horizontaler Oberfläche und geneigten Seiten-wänden. Von oben, mitten durch den Steinhügel hindurch, führtein Schacht in den Felsboden hinab und zu der Sarkophagkam-mer, die zumeist ohne weitere architektonische Bedeutung ist.Ausserdem ist an der Vorderseite des Grabmales der Zugang zueiner kleinen, in der Mauermasse ausgesparten Kapelle, welche

den_ Vorhallen oder Vortempeln der Pyramiden entsprechend

zum Todtenkult bestimmt war. Eine andre Gattung dieserGrabmäler ist durchaus in dem Felsen, wo derselbe eine senkrechteWand bildet, ausgehöhlt; hier erscheint zunächst ein ähnlicheskleines Heiligthum, aus welchem sodann ein Schacht in die Sarko-phagkammer hinabführt. Eins der namhaftesten Grabmäler dererstgenannten Gattung ist das, in der Nähe der Pyramide des Chufubelegene des Prinzen Merhet, eines Priesters des Chufu undOberaufsehers der Bauten des Königs; es ist 70 Fuss.lang, 45 F.breit und 15 F. hoch. 2 Die Kapelle desselben ist ihrer ursprüng-lichen Umgebung entnommen und (nebst zwei andern ähnlichenAnlagen) in das Museum von Berlin versetzt worden.

Diese kleinen Kapellenräume sind in mehrfacher Beziehungvon wichtigster Bedeutung. Ihre Wände sind nicht bloss reich-lich mit bildlichen Darstellungen und Hieroglyphen-Inschriftenbedeckt: sie zeigen auch architektonische Einzelformen, die eincharakteristisches Bild künstlerischer Behandlungsweise auf derersten Stufe architektonischer Entwickelung; gewähren. Der Sturzdes sehr schmalen Einganges wird stets von einem starken Rund-balken getragen; auch im Innern, etwa wo ein Raum in denandern führt, erscheint gelegentlich dieser, die Decke scheinbartragende Balken in gleicher Rundform. Ebenso ist die Deckeselbst mehrfach wie aus neben einander liegenden Rundbalkengebildet. Sehr häufig sind im Innern blinde Thürnischen ange-bracht (wohl den Eingang des verborgenen Grabes selbst versinn-bildlichend), über denen wiederum, als Träger des Sturzes, derRundbalken erscheint. Diese Nischen sind mit einer Dekorationumkleidet, welche einem bunten Leisten- und Lattenwerk völlig

1 Lepsius, Denkmäler, Abtli. I u. II, in zahlreichen Beispielen. 2 Lepsius,Briefe aus Aegypten , Aethiopien etc., S. 37.