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1 (1859) Geschichte der orientalischen und antiken Baukunst / von Franz Kugler
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15
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Urzeit. Epoche der vierten Dynastie, ihrer Vorgänger u. Nachfolger. 15

ruht. Die Decke ist gelegentlich, von Architrav zu Architrav,gewölbartig ausgearbeitet, auch wohl durch neben einander ge-schichtete Nilzi-egel förmlich eingewölbt. * 1

Pfeiler von Zauietel Meitin.

Aus der Epoche der sec hsten Dynastie findetsich eine nicht unerhebliche Anzahl van Felsgräbernan verschiedenen Orten Mittelägyptens. Dahin ge-hören besonders die zahlreichen Gräber von Z'auic tel Meitin, auf der Ostseite des Nil, nördlich vonAntinoe, deren viereckige Pfeiler zum Theil eine,zierliche Dekoration von Lotosstengeln haben, wel-che nach oben hin in eine reiche, zusammengebun-dene Blumen- und Blätterkrone ausgehen . 2 Sodann,neben späteren Gräbern, verschiedene Gruppen inder Gegend von Bersch eh, südlich von Antinoe ;und andre bis nach der Gegend von Siut hin, sowie

weiter stromaufwärts in der Felsenkette des Gebel-S elin . 3

Ausser diesen Anlagen hat uns die Frühepoche der ägypti-schen Architektur noch einzelne Gedächtnisssteine hinterlassen. Esfinden sich deren auf der Sinai-Halbinsel , im Wadi Maghara.'Sie gehören der vierten Dynastie an, welche die hier vorhandenenKupferminen ausbeuten liess. Die Könige Aegyptens sind hier,im ausserägyptischen Lande, auf den Bildern dieser Pfeiler bereitsals siegreiche Eroberer dargestellt. Die ausgebildete Obelis-kenform, für die spätere Zeit der ägyptischen Kunst von so eigen-thümlicher Bedeutung, hat sicli als frühstes Beispiel in einemmemphitisclien Grabe aus der Zeit der siebenten Dynastie vorge-funden. 5 Doch sind die Dimensionen in diesem Beispiel nochgeringfügig, ist der räumliche Eindruck somit noch wirkungslos.

Der Charakter der ersten Epoche der ägyptischen Architekturist hienach auf die folgenden Grundzüge zurückzuführen:Errichtung von Denkmälern in einfachster, primitiv kry-stallinischer Form. Streben nach grossartigster Wirkung; daher,

1 Lepsius, Briefe aus Aegypten , Aetliiopien etc. S. 53. Es ist zu bemerken,dass sich verschiedene spätere Zeiten in diese memphitischen Gräber mit ein-gedrängt haben. Diesen gehören die Gräber mit Säulen und die mit Gewöl-ben, welche aus eigentlichen Keilsteinen gebildet sind, an, während jene Nil-ziegelgewölbe in der That in die Epoche des Pyramidenbaues zurückgehen.

2 Lepsius, Denkmäler, Abth. I, T. 57. s Lepsius, Briefe, S. 88, 96, 100, 102.

4 Lepsius, Briefe, S.336; Denkmäler, Abth. X, T. 8. b Lepsius, Briefe, S. 40.