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1 (1859) Geschichte der orientalischen und antiken Baukunst / von Franz Kugler
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I. Das alte Aegypten.

indem die Form in wenig einfachen Linien streng beschlossen ist,(Üe erreichbar grössten Maasse. Streben nach möglichster Festig-keit und Dauerbarkeit; daher die Verwendung thunlichst kolos-salen Felsmateriales und die höchste Sorgfalt und Genauigkeitin der Bearbeitung desselben. Kluge Anordnung der Arbeit, umdas Mögliche erreichbar zu machen. Daneben aber auch dieAnwendung bequemerer Hülfsmittel, um gelegentlich den Scheindes Erstrebten zu erreichen.

Das kiystallinisclie Element (der Pyramide) als bestimmendeGrundform auch für die übrigen baukünstlerischen Anlagen vor-herrschend.

Eine architektonische Dekoration dieser Anlagen, die sichvorzugsweise noch als naive Nachahmung der constructiven Er-scheinungen, welche bei dem Bedürfnissbau hervorgetreten, kundgiebt, die aber (namentlich bei den Hauptumfassungen undbei der Bekrönung am Sarkophage des Mencheres) gleichzeitigauch bereits das bestimmte Hervortreten einer, auf dem ästheti-schen Gefühl beruhenden Bildungsweise erkennen lässt.

Mächtiges Geltendmachen des symbolischen Elementes (in demSphinxkoloss), dem die Form nur ein Zeichen für den (verstandes-mässigen) Begriff ist.

3. Epoche der zwölften Dynastie.

Eine zweite grosse Blüthenepoche des altägyptischen Reichesist die der zwölften Dynastie. Sie wird in die Spätzeit oder dasEnde des dritten Jahrtausends v. Chr. gesetzt.

Der Gründer dieser Dynastie ist Sejsurtesen I. (Osorta-sen). Die Denkzeichen, weiche von ihm auf unsre Zeit gekom-men, deuten auf eine ausgebreitete königliche Herrschaft. Zuihnen gehört ein zu Heliopolis in Unter-Aegypten errichteterObelisk, welcher bei dein Dorfe M a t a r i e h noch gegenwärtigaufrecht steht, das älteste Beispiel dieser Gattung von Denksteinen,sofern es sich um die mächtige, charakteristisch entwickelte Formderselben handelt. Sodann ein obeliskenähnlicher Denkstein vonÜach-breiter Grundform und abgerundetem Obertheil, 39 Fuss 2Zoll hoch, welcher zu Begig in der Landschaft des Fayum (westwärts von Mittel - Aegypten) zerbrochen liegt. Ferner einDenkpfeiler, der hoch oben in Nubien , bei der Katarakte vonWadi Haifa, gefunden wurde und sich gegenwärtig im Museumzu Florenz befindet. 1 Dieser ist mit bildlicher Darstellung ver-sehen, welche die Siege des Königs im südlichen Lande feiert.

| Rosselini, mon. dell Egitto etc., mon. stör. 1,38. Champollion , lettre,s ecr.(lEgypte et de Nubie, p. 124.