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1 (1859) Geschichte der orientalischen und antiken Baukunst / von Franz Kugler
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Armenien und die Kaukasnslande.

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der Krönung der Stufe, antike Beminiscenzen und die asiatiscliweichere Behandlung von solchen bewahren. Zugleich sprichtsich darin ein neu drängendes Lebensgefühl aus, welches so we-nig einer früheren, etwa sassanidischen, Epoche zuzukommenscheint, wie es jüngeren Formenbildungcn des Islam entsprechendist; auch das sparsam angewandte Ornament stimmt am Füglich-sten' mit der genannten Periode. Energische Gesammthaltungund weichgedrungene Fülle im Einzelnen verbinden sich liier zueiner sehr bemerkenswerthen "Wirkung.

7. Armenien und die Kaukasuslande.

Ein eigenthiimlicher Cyklus von Monumenten, nicht unmit-telbar zu denen des Islam gehörig, doch die Einwirkung muhain-medanisclier Kunst oder eine Verwandtschaft mit ihren Elementenverrathend und seinerseits in einem näheren Verhältnisse zu derGestaltung jüngerer Kreise der muliammedanischen Architektur,schaltet sich an dieser Stelle ein. Es sind die christlichen Denk-mäler Armeniens , nebst denen der nordwärts von dort belogenenKaukasuslande, Georgien , Imeretien, Mingrelien , Abkhasien. 1Armenien hatte die Lehre des Christenthums schon zeitig em-,pfangen und dieselbe unter wilden Stürmen bewahrt. Unter derHerrschaft der Abbassiden war ein dort einheimisches Fürsten-geschlecht, das der Pagratiden, zu Macht und Ansehen gelangt;beim Verfall des Klialifats,.. gegen Ende des neunten Jahrhun-derts, gründete es eine selbständige königliche.Herrschaft, welchebis in die zweite Hälfte des elften Jahrhunderts anhielt, wäh-rend sich auch Georgien einer unabhängigen Stellung erfreute.Dieser Epoche vorzugsweise gehören jene Denkmäler an; zumTheil, und besonders in den nördlicheren Gegenden, fallen sienoch in die nächstfolgenden Jahrhunderte. Die ZerstörungszügeTimurs, in der Spätzcit des vierzehnten Jahrhunderts, brachtendann auch ihnen vielfältiges Verderben.

Es sind Cultusmonumcnte, Kirchen, Grabkapellen, Baptiste-rien. Ihre Dimensionen sind im Allgemeinen nicht bedeutend.Ihre bauliche Erscheinung hat durchgehend etwas Strenges, insich Zusammengehaltenes, doch nur in der mehr äusserlichen

1 Dubois de Montpereux, voyage au Caucase cliez les Tclierkesses et lesAbkliases en Colchide, en Georgie, en Armenie et en Crirnee. Texier, descrip-tion de lArmenie, la Perse, etc., I. (Dae Werk von Gross et, rapports suv unvoyage archeologique dans la Georgie et dans bArmenie, kenne ich nur ausden gel. Anzeigen der k. bayer. Akad. der Wissenschaften, 18o3, No. 57, ff.)

Kugler, Geschichte der Baukunst.