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1 (1859) Geschichte der orientalischen und antiken Baukunst / von Franz Kugler
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X. Der Islam etc.

steigenden Marmorbau, durch ihre ehernen, mit Perlmutter-schmuck belegten Portale, im Inneren durch die reiche Aus-stattung persischer Fayencen auszeichnet. Im achtzehntenJahrhundert folgen dann die Moschee Ajazma (M. der heiligenQuelle) in Skutari, vom J. 1711 ; die M. Osmans III. (NurOsmani, d. i. das Licht Osmans), 1748 55 gebaut (ohneSeitenkuppeln), die man wegen ihrer Eleganz und Regelmässig-keit wohl als das schönste Gebäude von Constantinopel bezeich-net, die aber den alt-muliammedanischen Formen, auch den, hierwiederum hufeisenbogenförmigen Arkaden des Vorhofes, schonAnklänge an das damalige westeuropäische Rococo einmischt;die im J. 1760 gegründete Laleli oderTulpen-Moschee, diejüngste und kleinste der Moscheen Constantinopels. U. a. in.

Eine wesentliche architektonische Zierde Constantinopelsbilden die Brunnenhäuser, deren Nischen springendes Wasserspenden. In dem Säulen- und Bogenwerk und den buntgemu-sterten Füllungen, welche ihre Wände bekleiden, in ihren weitausladenden Schattendächern, in den zierlichen Kuppeln, mitdenen sie bekrönt zu sein pliegen, entwickelt sich der ornamen -tistische Sinn der muhammedanischen Kunst häufig wiederumzur reizvollsten Anmuth. Zu den vorzüglichsten Beispielen ge-hören der Brunnen auf dem Platze neben der Sophienkirche (vomJ. 1729 ), der bei der Vorstadt Galata, und der, welcher dieVorstadt Topchana schmückt (vom J. 1732 ). Unter den zahl-reichen Versinscliriften, welche zwischen die Dekorationen dieserZiergebäude vertheilt sind, mag liier eine der Strophen desBrunnens von Topchana, als einfacher, nationeil dichterischerAusdruck des künstlerischen Gefühles, ihre Stelle finden:

Diese Quelle so rein, so lieblich, so süss zu verkosten,

Ist des Lebensquells wieder verjüngender Born,

Artig entworfen und zierlich gestellt und lieblich gebauet,

Dass, wer immer sie schaut, Gram aus dem Herzen vertreibt. 1

10. Persien .

Eine eigenthümliche und glänzende Ausbildung der muham-medanischen Architektur gehört den Ostlanden des Islam, Per­ sien und Hindostan, an. Ueber ihren früheren Entwickelungs-gang wissen wir sehr wenig, da die Monumente ihrer Vorepochengrossen und gewaltsamen Zerstörungen unterlegen haben und dievorhandenen Reste noch nicht genügend erforscht zu sein scheinen.

1 Nach der Uebersetzung von J. v. Hammer, a. a. 0., II, S. L.