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überwölbt, zumeist mit leichten Minarets auf den Seiten, welcheoberwärts eine gedeckte Gallerie tragen und auf dem darübernoch hinaufsteigenden Obertheil mit einem kleinen Kuppelchenvon derselben birnenartigen Form (einem Turban ähnlich) ge-krönt sind. Die Höhe der grossen Moschee beträgt bei solcherAnlage bis zum Gipfel der äusseren Kuppel gegen 150 Fuss,die ihrer Minarets bis zur Gallerie fast 1‘26 F. Alles ist wie-derum durchaus mit gemalten Fayencen bekleidet, die aber nichtmehr die künstlich musivische Zusammensetzung wie zu Tabris haben und bei denen das Gold auch nicht mehr vorkommt; dieFarben sind Gelb, Weiss und Schwarz auf blauem Grunde.Diese Ausstattung umfasst das Aeussere. wie das Innere; auchdie grosse Aussenkuppcl der Moschee ist mit einem Ornament-netz farbig emaillirter Ziegel umsponnen. Die Wirkung dieserphantastisch grossen und gleichzeitig in das graziöseste Formen-spiel aufgelösten Massen , die ihres Farbenwechsels unter einemHimmel von durchsichtigster Bläue wird durchaus der einesentzückenden Traumes verglichen. — Unter den übrigen Mo-scheen von Ispahan scheint vorzüglich die M. Baba-Suktah, einnoch in strengerem Style gehaltenes und schon ruinenhaftes Ge-bäude, von Bedeutung. Ueberaus reizend ist ein einzelner, nebender Hauptkuppel aufschiessender Minaret, leicht, wie ein säulen-hafter Stab; der Haupttheil mit gewunden emporlaufender Ver-zierung, von der zierlich hinauskragenden Gallerie und derschlanken Spitze gekrönt. Andre, wie die Medschid-Dschumna,die Arnovata-M., die Hekim-M., sind jünger.
Das eine der Thore des grossen Meidan, Aü-Kapi, führt zudem Quartier der Palläste, welche Schah Abbas für sichund seinen Hofstaat angelegt hatte. Das Ganze, von hohen undstarken Mauern umgeben, ist eine Stadt von Gärten, in denendie Palläste, Wohnungen, Lusthäuser zerstreut liegen, durcheinzelne Einschlüsse zumeist voneinander getrennt, durch denHauch belebter Gewässer erfrischt. In der Regel haben dieBaulichkeiten eine luftige, von mehreren Säulenreihen getrageneVorhalle mit ausladendem Schattendache, die Säulen überausschlank, die Ausstattung in dem ersinnlichsten Luxus einer höchstverschwenderischen Phantasie. Die Anlage ruft mehr als einmaldie des alten Königspallastes von Persepolis in das Gedächtnisszurück und folgt ohne Zweifel mit Absicht den baulichen Mo-tiven desselben. Das glänzendste Gebäude ist das der königlichenWohnung, Tschehel-Seitun (die „vierzig Säulen“) benannt, über120 Fuss breit und 160 F. tief, in einem Garten von etwa 7 50zu 1500 F. Ausdehnung. Seine Vorhalle hat viermal 6 Säulenvon 40 F. Höhe, mit. Marmorbasen, die aus einer Gruppe vonje vier Löwen bestehen, die Schäfte mit den mannigfaltigstenbemalten und vergoldeten Zierraten versehen; ebenso die Decke
Kugler, Geschichte der Baukunst.