562
X. Der Islam etc.
der Halle mit dem erdenkbar reichsten Schmucke, wo zwischenFarben, Gold und Silber Tausende von kleinen Spiegelflächenaufblitzen. Nicht minder reich ist das Innere des Gebäudes.— Im Quartier der Palläste findet sich auch eins der jüngstenpersischen Prachtgebäude : der Medresseh des Schah Hussein, um1730 gebaut. Es ist ein nach üblicher Art von zweigeschossigenHallen umgebener Hof, mit grösseren Versammlungsräumen in denEcken und in der Mitte der Langseiten, und mit einer Moscheein der Mitte der Hauptseite. Die letztere entspricht, nur inkleinerem Maassstabe, der Moschee am grossen Meidan; über-haupt befolgen Anlage und Ausstattung, auch mit dem reichenSchmuck farbiger Fayencen, noch die herkömmliche Weise ; aberdie Spätzeit charakterisirt sich in der schon willkürlicher spie-lenden Bildung der ornamentistisclien Detailform.
Seit Ende des vorigen Jahrhunderts ist Teheran die Re-sidenz der persischen Herrscher. Der dortige königliche Pallastscheint in Anlage und Ausstattung das Muster von Ispahan nachzuahmen; doch machen sich daselbst schon ausschweifendbarocke Formen «reitend.
O
Persien ist im Uebrigen durch die Menge und die gedie-gene Anlage seiner grossen K ara w ans er ai’s ausgezeichnet,welche, an den Heerstrassen belegen, den Karawanenzügen derReisenden das erforderliche, zumeist höchst umfassende Obdachbieten. 1 Die bedeutenderen Bauten der Art gehören Aviederumder Regierungszeit Schah Abbas des Gr. an. Ihre Einrichtungfolgt mit Umsicht den lokalen Bedürfnissen. In den kaltenGebirgsgegenden geAvähren sie völligen Schutz gegen die Be-schwerden der Witterung; in den Grenzlanden sind es festeKastelle, zur Vertheidigung gegen Raubsclvwärme; in den mil-den Gegenden des Irak sind es Palläste, avo Menschen undThiere Schirm gegen die Sonnenglut des Tages finden und sich,in den Aveiten Portiken , der erfrischenden Kühle der Nacht er-freuen können. Als ein Musterbau ist der Iiarawanserai vonTschelesieh, eine Tagereise von Ispahan , zu nennen. DasGebäude, fast quadratisch, hat eine Fagade von mehr als 200Fuss Länge. In der Mitte ist ein grosser Hof, mit Pfeilerarka-
1 Ueber die Karawanserai’s auf der grossen syrischen Karawanenstrasse unddie auf der arabischen Pilgerstrasse, sowie über den Wechselbezug zwischenihnen und den grossen alt-syrischen Tempelhofbauten hat sich C. Ritter inseiner S. 499 citirten Abhandlung näher ausgesprochen. Das in jenen Landenursprünglich Ausgebildete wird für die Anlage auch der persischen Karawan-serai’s maassgebend gewesen sein; in Betreff ihrer grossartigen Durchbildung,ihrer Zahl, ihres wohlerhaltenen Zustandes scheinen die letzteren jedenfallsvorzugsweise beachtenswert!! zu sein.