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1 (1859) Geschichte der orientalischen und antiken Baukunst / von Franz Kugler
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Ost-Indien.

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den der maurischen Alhambra (S. 531) des Augentruges gedenken, dass man den Saal, im Aufleuchten seiner glänzend gemaltenOrnamente, mit Edelsteinen umkränzt wäline, so will manhier keinen Trug mehr, sind es hier 'wirkliche Edelsteinmassen,aus denen die dekorative Ausstattung der höchst gefeierten Räumegebildet ist. 1

Delhi war schon in der hinduisclien Vorzeit ein glänzenderIlerrschersitz. Was in jenen Jahrhunderten gebaut war, wurdeindess durch die muhammedanischen Eroberer zerstört, und neueVerwüstungen gingen über die Werke der letzteren hin, bis SchahJehan im siebzehnten Jahrhundert der alten Trümmerstadt gegen-über ein neues Delhi gründete. Die baulichen Reste von Alt-Delhi dürften für die früheren Entwickelungen der muhamme-danischen Kunst mannigfache Aufschlüsse zu gewähren geeignetsein; doch sind sie bis jetzt noch allzuweuig durchforscht. Esist hiebei an jenen riesigenKutab-Minar zu erinnern (oben,S. 457), von dem es gegenwärtig streitig ist, ob er hinduisclienoder früh-muliammedanischen Ursprunges sei. Es finden sichu. A. in der (Nähe jenes _Latli des Firuz Schah (S. 447), Mo-numente eines eigenthümlich massenhaften Charakters, die in derThat noch ein entschieden altcrthümliclies Gepräge tragen; be-sonders bemerkenswert!! ist unter diesen ein thurmartiger Rund-bau mit spitzbogigen Oeffnungen, oben mit einer Pfeilergallerieund mit einer pfeilergetragenen Aedicula über dieser, der aufeiner Plateform innerhalb eines ansehnlichen Mauereinschlussesbelegen ist. Andres scheint in andrer Weise eine frühereEntivicklungsepoche zu bezeichnen. So ein , gleichfalls in mehrmassiger Strenge aufgeführter Thorbau unter den Ruinen vonGour, am unteren Ganges; und ein Thurm, ebendaselbst, vonpolygonisclier Form, edel in den Verhältnissen und mit einfachenFüllungen geschmückt. 2 So unter den Ruinen des alten Iv a-noge, ostwärts von Agra , ein Arkadenportikus mit reinen Spitz-

1 Leider fehlt es noch an genügender bildlicher Vergegenwärtigung der Be-handlung des dekorativen Details. Man vergleicht dasselbe häufig dem edelnflorentiuischen Mosaik; u. A. ist mit solcher der Thron im äusseren Hofe desPallastes von Delhi ausgestattet und ein 8 Zoll hoher Stein an ihm mit einemBilde des Orpheus versehen .(L. v. Orlicli, S. 170). Es scheint liienach, dassin der That oceidentalische (italienische) Künstler bei diesen Arbeiten, wenig-stens unter Schah Jehan, beschäftigt wurden, und es dürfte selbst in Fragekommen, ob sie nicht auch einen Einfluss auf die bauliche Behandlung aus-geübt haben. 2 Ansicht des Thurmes in Daniells antiquities of India, t.23. (Die übrigen Monumente in der Oriental scenery, einige auch beiElliot.)