Einleitung.
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Umwandelung unterliegen. Wie diese zum Theil aus den inne-ren Widersprüchen und aus dem Maasse ihrer Steigerung je nachder gemach sich verändernden Zeitstimmung hervorging, so ausder Opposition, welche hier und dort das abermalige Hervor-treten nationell besondrer Gefühlsweise veranlasste; so auch, inWechselwirkung mit diesen Beziehungen, aus der Verwendungeines Baumaterials, dessen Beschaffenheit Abweichungen in demstructiven und in den dekorativen Elementen bedingte; so nichtminder aus der Uebertragung der kirchlich ausgeprägten For-men auf andre Lebenszwecke und aus der Rückwirkung, welchesich hiebei auf das Ganze der Behandlung ergab.
Zunächst war es der allgemeine geistige Ausgangspunkt desSystems, — jener eigentliche Ausdruck des Ecstatischen, jeneschwebende Aufgipfelung der inneren Räumlichkeit, was dochnicht überall eine unbedingte Aufnahme fand. Man zog einmässigeres Verhalten vor, als es in dem ursprünglich französi-schen Muster vorlag, man strebte nach einer mehr in sich be-ruhigten und gefestigten Wirkung. Das Massengefühl behaup-tete sich theilweise doch in seinem Rechte: in minder umfassenderAuflösung des baulichen Ganzen in ein Stützengerüst und ent-. sprechend gegliederte Einzeltheile; in minder durchgängiger Be-seitigung der Wandtheile; selbst mit der eigentümlichen Anord-nung, dass man die Strebemassen in den Innenraum hereinzogund sogar dem Oberbau des Mittelschiffes, mit einer Art vonNischensystem, denen sich die Fenster einfügten, innen vortre-tende Pfeilervorsprünge gab. Der ungeteilt aufwärts drängen-den Bewegung,. die die enge Folge der räumlichen Gliederungbedingte, trat das Bestreben nach einer freieren Ausweitung desRaumes, — das Princip einer hallenmässigen Anlage gegenüber;eine minder überwiegende Erhöhung des Mittelraumes, auch dievöllige Beseitigung dieser Erhöhung schloss sich daran an. Na-mentlich in Deutschland fand das System gleicher Schiff'höhen,das des „Hallenbaues“ im engeren Sinne des Worts, (wieschon in der spätromanischen Architektur von Westphalen) viel-fache Anwendung. Es entsagte jener leidenschaftlichen Steige-rung des räumlichen Gefühles; es blieb in sich fest beschlossen;aber es gewann zugleich, durch das bewegte Princip des Stylesund seiner Gliederformation, einen sehr eigentümlichen Aus-druck und unter Umständen eine höchst glückliche Wirkung.Das Aeussere gestaltete sich hiebei als ein einfacheres Ganzes,ohne das Gerüst der Strebebögen, durch die Folge der Strebe-pfeiler und der zumeist schlank aufsteigenden Fenster charak-teristisch bezeichnet, wobei aber die herkömmlichen dekorativenStylformen allerdings ein mehr zufälliges Verhältniss annahmen.Für die Bedachung wurde nicht selten — und, wie es scheint, be-sonders in der Frühzeit des Systems — die schon bei spätromani-schen Hallenkirchen vorkommende complicirte Anordnung beliebt,