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XII. Die Architektur des gothischen Styles.
noch die anmuthvoll gegliederte Rundbogenform des romanischenStyles (eine doch lautrere und befriedigendere als die des neu-eingeführten Spitzbogens) haben; so auch an den Thürmen, derenWandnischendekoration grösstentheils noch das romanische Gesetz
befolgt. Die Westfacjadewird durch zwei kräftigeTliürme der Art gebildet;der Zwischenbau zwischenihnen hat, ohne eine son-derlich günstige Austhei-lung, über dem Portal -dreischlanke Spitzbogenfensterund über diesen ein grossesKreisfenster.
Der genannten Kirchezur Seite stehen die Neu-bauten von St. Remy zuRheims. 1 Dieselben sol-len in den sechziger Jahrendes 12 . Jahrhunderts be-gonnen sein; als eigentli-cher Erneuerer des Gebäu-des wird der Abt Simon(1182—98) genannt. 2 DerChor, ein selbständiger Bau,ist dem von Notre - Dame zu Chälons sehr ähnlich,nur völliger durchgeführtund in seiner inneren Dis-position noch zierlicher aus-gebildet. Das Schilf enthälteine etwas verwunderlicheUmarbeitung der alten, dem11. Jahrhundert angeliöri-gen Anlage: die unternPfeiler seltsam in Halbsäu-lenbündel umgestaltet; da-rüber auf Consolen auf-setzende Dienstbündel und oberwärts die hochaufsteigenden Rippendes gothischen Gewölbes. Die Theile zumeist westwärts erscheinenals völlig frühgothische Arbeit. Die Fagade ist ein wenig ge-lungener Versuch, das neue System des Inneren äusserlicli zu
Grundriss von St. Rdmy zu Rheims.(Nach Wiebeking.)
1 Vergl. Thl. II, S. 217. Zu den dort angeführten Darstellungen s. de Cau-rnont, Abecedaire, arch. rel., p. 303; Viollet-le-Duc , dictionnaire, I, p. 62;Wiebeking, biirgerl. Bauk., T. 86. — 2 In seiner Grabschrift, in der von ihm,freilich nur sehr allgemein und in spielenden Versen, gesagt wird „erexit ec-clesiam. u Gallia Christiana, IX, col. 234.