Buch 
3 (1859) Geschichte der gothischen Baukunst / von Franz Kugler
Entstehung
Seite
42
JPEG-Download
 

42

XII. Die Architektur des gothischen Styles.

Hälfte des 12. Jahrhunderts neugebaut, im J. 1191 eine Weihungempfing. Der Plan ist dem der Kathedrale von Noyon ähnlich,in der Anordnung des Chores wie in der des Schiffes, in letzte-rem besonders auch dadurch, dass Pfeiler, welche mit stärkerenund schwächeren Halbsäulen besetzt sind, mit freistehenden Säulenwechseln. Auch die Kapitale haben noch romanisches Ornament,und zwar von vorzüglich schönem und edlem Charakter. Indessist durchgehend die neue Richtung des künstlerischen Gefühlesmit grösserer Bestimmtheit und Derbheit ausgesprochen; die Em-poren über den Seitenschiffen öffnen sich durch einfache Spitz-bögen, ohne weitere Arkadenfüllung. Der Oberbau des Schiffesgehört einer jüngeren Bauveränderung an. Die Parade ist schlichtgeordnet, doch ohne grosse Wirkung, im Einzelnen mit älterenReminiscenzen und mit den Elementen späterer Ausstattung.Sie hat zwei Thürrne über den Seitentheilen, der südliche mitleicht aufscliiessendem achteckigem Oberbau und leichter acht-eckiger Pyramidenspitze, wohl nach dem Muster normannischerMotive des 13. Jahrhunderts, eins der klarsten Beispiele der Art,welche Frankreich besitzt. (Die reiche Ausstattung der Quer-schiffgiebel gehört der Schlussepoche des gothisclien Styles an.)

Ein Bau ebenso frühen Beginnes, mit ebenso charakteri-stischen romanischen Reminiscenzen, aber von abweichender räum-licher und formaler Tendenz ist die Kathedrale von Laon . 1Ueber ihre Geschichte ist wenig bekannt, doch erscheint sie imJ. 1173 schon ansehnlich in der Ausführung vorgerückt. 2 Mitihr tritt ein neuer Geist in die Entwicklungsgeschichte der Ar-chitektur ein, die überlieferten Formen für neue Wirkungen ver-wendend, unbekümmert um die Dispositionen, welche bisher alsgeheiligte galten und als solche mehr und mehr durchgebildetwaren, eigne Zwecke in fast schneidendem Contrast gegen letzterezur Geltung bringend. Es ist ein langgestreckter dreiscliiffigerBau, in der Mitte durch ein dreischiffiges Qüerschiff durchschnit-ten. An der Ostseite des Querschiffes, an seinen äussern Flü-geln, bilden sich kleine Seitenkapellen mit hinaustretenden Ab-siden, der Chor selbst hat nichts der Art, er scliliesst viel-mehr völlig einfach, in gerader Linie ab. Die Schiff'arkadenwerden durchgängig durch einfache Säulen von kräftig derbemVerhältniss und Spitzbögen gebildet; nur in der Durchschneidungder Schiffe und an ihren Stirnseiten (zum Tragen der Thürrne,s. unten,) erscheinen statt den Säulen Bündelpfeiler, und nochan ein Paar vereinzelten Stellen sind die Säulen ausnahmsweise

1 Zu den umfassenden Darst. in den Voy. pitt. et rom. vergl. Chapuy. moy.äge monum., 85, 126; moy. äge pitt., 20. Du Sommerard, les ai£s du moy.äge, I, S. II, pl. 4. Viollet-le-Duc , dict. II, -p. 304; III, 386, f. Do Caumont,Abeced. , a. r. p. 291, 293, 314, 313, 34?. Merhnee, iu der Kevne a'rcheol., V\p. 13. Wiebeking, bürgerl. Bank. , T. 85, 87, 116. ' J Sehnaase. Gesell, d.bild. K. V, I, S. 85, f.

t