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3 (1859) Geschichte der gothischen Baukunst / von Franz Kugler
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Die deutschen Nordostlande.

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empor, durch kleine durchbrochene Architekturen verbunden. Esist einer der reichsten Versuche zur Nachbildung der Dekorations-weisen des Hausteins im Ziegelbau, allerdings zwar in dem hand-werklichen Betriebe des letzteren, doch um so mehr von phan-tastisch malerischem Beize, als er hier an den übrigen Theilendes merkwürdigen Gebäudes eine charakteristische Gegenwirkungfindet.

Unter der grossen Zahl andrer kirchlicher Gebäude ist inkünstlerischem Belang nichts Bemerkenswerthes hervorzuheben.Dem System des Hochbaues reiht sich unter diesen nur nochdie Marienkirche zu Naugardt an. Die übrigen sind Hallenkir-chen oder einschiffige Anlagen.

Für den Profan bau gilt im Allgemeinen dasselbe, was vondem der Mark gesagt ist. An stattlichen Mauer- und Thorthür-men ist Mancherlei erhalten, zu C am min, Pyritz , Stargard ,Dem min, u. s. w. Ebenso von ansehnlichen Hausgiebeln, die,in mehr oder weniger reicher Ausstattung, verschiedene Weisender Anordnung befolgen. Greifswald hat am Marktplatze eineGruppe derartiger Hausgiebel, von denen der eine, in gleicharti-ger Masse emporgeführt, mit Zinnen gekrönt und von hohenBlendnischen erfüllt, ein fast kastellartiges Aussehen hat, einzweiter, 1 stufenförmig zwischen Fialenthürmclien aufsteigend, eineFülle reichen, fast kirchlichen Fensterschmuckes entwickelt, eindritter den anderweit üblichen Formen, doch ebenfalls in bedeu-tender Fassung, folgt, u. s. w. Andre Momente der Ausbildungzeigen die Bathhausgiebel von Grimme, Anclam, Lauen­ burg . Aeusserst stattlich, aber durch Modernisirung beeinträch-tigt, ist die Fa^ade des Rathhauses von Stralsund , mit einerReihe von sieben frei aufragenden, luftig durchbrochenen Giebelnzwischen schlanken Thiirmchen. Aehnlich war, alten Abbildun-gen und Berichten zufolge, die Fa^ade des Rathhauses vonStettin .

Eine sehr zierliche und glanzvolle Facjadendekoration ent-wickelt sich um die Mitte des 16. Jahrhunderts. Sie besteht ineinem aus der Combination mannigfacher Cirkelschläge bestehen-den Reliefmaasswerk, welches stabartig aus der Fläche vortritt,diese gliedernd, ihre Krönungen, Säume, Füllungen bildend. Einvorzüglich edles Beispiel der Art zeigt sich an einem Flügel desSchlosses zu Ueckermünde vom J. 1546; eine Wiederholungdesselben an dem oberhalb des Schweizerhofes zu Stettin be-legenen Hause; Aehnliches an den jüngeren Theilen der male-rischen Schlossruine von Daher. Drei hohe Giebelfaijaden zu

1 Kallenbach, T. 00.