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3 (1859) Geschichte der gothischen Baukunst / von Franz Kugler
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Die skandinavischen Lande.

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Der Neubau des Domes von Drontheim 1 war, wie früher(Thl. II, S. 582) erwähnt, in der Sp'ätzeit des romanischen Sty-les begonnen. Sein älterer Theil, das Querschiff, war als einebedeutungsvolle Anlage dieser Epoche, in bezeichnend englischenFormen und mit ebenso charakteristischen Uebergangsmotiven,die jedenfalls auf eine Bauführung von der Spätzeit des 12. Jahr-hunderts ab bis in den Anfang des 13. hinein deuten, geschildertworden. Der übrige Bau schloss sich unmittelbar an jenen an,im Wesentlichen durchaus noch der Epoche des 13. Jahrhundertsangehörig. Es ist zunächst der Langbau des Chores, dem sichals Schluss ein merkwürdiger achteckiger Kuppelbau anfügt, so-dann das vordere Langschiff; jener, allen stylistischen Kennzei-chen seiner ursprünglichen Anlage gemäss, als ein Werk ausdem zweiten Viertel des 13. Jahrhunderts, dieser, für dessenGrundlegung (völlig wahrscheinlich) das J. 1248 genannt wird,als ein Werk aus dessen späterer Hälfte. Doch sind in nachfol-gender Zeit, in den Jahren 1328, 1431, 1531 (auch später), grosseBrände über das Gebäude ergangen, .die zu Verderbnissen undZerstörungen, sowie zu Herstellungen geführt haben, welchenletzteren gewisse Einzeltheile und Einzelformen jüngeren Charak-ters, die sich den ursprünglichen anfügen und einmischen, zuzu-schreiben sind. Der Gesammtbau erstreckte sich hienach auf eineLänge von 350 Fuss. Gediegene Materialien verstatteten eineBehandlung von ausgezeichneter technischer Vollendung: einschwarzgrauer Marmor für die Hauptmassen; ein weisser Marmorvon äusserster Festigkeit für die Herstellung schlanker, kühnerund leichter Stützen; ein trefflicher weicher Talkstein für dieAusführung kunstreicher Ornamente, namentlich im Innern, denenfarbiger Schmuck und Vergoldung zugefügt ward. Der frühsteTheil der gothisclien Baufortsetzung ist der Lan gbau des Cho-res, bis zum Octogon, ein Hochbau mit niederen Seitenschiffen.Von der ursprünglichen Anlage sind aber nur die Wände derSeitenschiffe nebst geringem Eckansatz der oberen Mittelschiff-wand erhalten; die gegenwärtige Oberwand ist rohe spätest mit-telalterliche Erneuung; die Wölbungen fehlen. 2 Bemerkenswerthsind die Fenstergruppen der Seitenschiffe: je zwei leichte, vonSäulchen eingefasste Lanzetfenster mit einem Rund darüber, imInnern von einem gemeinsame*! Bogen umfasst, im Aeussern ohnesolchen; sodann, als besonders charakteristisches Merkzeichen,

1 A. v. Minutoli, der Dom zu Drontheim etc. Gaimard , Voyages en Scan-dinavle etc., I, pl. 8392. (Wenn die baug'eschichtlichen Ansichten des Ver-fassers des erstgenannten Werkes, wie bereits in Bd. IX, S. 583, Anm. 1 ge-schehen, abgelehnt werden müssen, so ist die Fülle von Belehrungen, welchef® 111 Werk in der bildlichen Darstellung der gothisclien Theile des Domes undihrer verschiedenartigen Einzelheiten bietet, mit um so vollerem Danke ent-gegenzunehmen. _ 2 Die Innenansicht des Chores bei v. Minutoli, T. VI, ist

(mit Ausnahme des Zuganges in das Octogon) Herstellung von der Hand desVerfassers. Den wirklichen Zustand giebt die Innenansicht bei Gaimard , pl. 86.