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XII. Die Architektur des gotliischen Styles.
die Anordnung einer noch lissenenartigen Wandtheilung zwischenden Fenstern, mit Bündeln schlanker und zierlicher Säulchen aufbeiden Seiten jeder einzelnen Lissene, oberwärts durch einenFries von seltenster Eigenthümlichkeit, in der Form des antikenWellenornaments, verbunden. In dieser Anordnung ist noch eineromanische Reminiscenz, die Frühzeit des Werkes bestimmt be-zeichnend ; das antikisirende, wenn allerdings auch spielend an-gewandte Wellenornament ist auffällig genug, entspricht seinem
wesentlichen Gehalte nach aber doch nur den klassisch antiki-sirenden Elementen, die anderweit so häufig in der Ueberjranrrs-epoche hervortreten und denen Aehnliches auch noch an andernStücken des Drontheimer Domes zu nennen sein wird. 1 — Dannfolgt der Kuppelbau des Octogons, der vorzüglichst erhalteneTheil des Domes. Er fügt sich mit fünf Seiten seiner äusserenUmfassung, im inneren Gesammtdurchmesser etwa 53 Fuss breit,dem 39 F. breiten Mittelschiffe des Chores an. Der innere Haupt-raum ist ein nicht ganz regelmässiges (nach dem Chor-Mittel-schiffe zu etwas verbreitetes) Achteck; ein durchschnittlich 9 F.breiter Umgang scheidet dasselbe von den Umfassungsmauern,
1 Auch ist die Hypothese vielleicht nicht allzukühn, in der Anwendung die-ses Ornaments eine Begegnung alteinheimischen Dekorationssinnes mit demantikisirenden Geselimacke der Uebergangsepoche zu finden. Jenes Wellenor-nament kommt nicht selten auch in den urthiimliclien Arbeiten des Nordens(des skandinavischen wie des keltischen) vor und war hei der Kathedrale vonTuam in Irland (Thl. II, S. 295) sogar als Architekturzierrath, wenn auch ingeringerem Maassstahe, aufs Neue verwandt worden.