Die skandinavischen Lande.
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phantastisch verzierte Blattgesimse hinlauten. Die Giebel derhieinen Kapellen mit Bogenzierden von fast maurischer Art; einSeitenportal von schwerbarocker Umgestaltung der üblichen früh-gothisclien Formen. Die Streben höher emporgeführt, mit schlich-ten Satteldächern und mit spielend leichten Strebebögen zurStütze des aufsteigenden achteckigen Mittelbaues. Dieser mitschlanken Lanzetarkaden, zwischen denen die kleinen Lanzet-fenster liegen, und mit Giebeln über jeder Seite; darüber, stattdes ursprünglichen Helmes, mit einer schwerbauchigen, kupfer-bekleideten Holzkuppel, welche einer Herstellung aus der Zeitdes vorigen Jahrhunderts angehört. — Endlich der vordereLangschiffbau, der völlig nur als Ruine, in seinem Innen-raume seit geraumer Zeit als Begräbnissplatz dienend, erhaltenist. Nur die Seitenschiffwände, nur die Untertheile des Fa^aden-baues sind erhalten. Jene einfach, mit regelmässiger Anordnungvon Streben, die jedoch (nach englischer Art) nur mässig vor-treten, und mit Fenstergruppen, die wiederum denen an Chorund Octogon entsprechen, doch in engerem Zusammenhang ihrerTheile. Die Fa(;ade, 130 Fuss breit, mit der Anlage viereckigerThürme von sehr mässiger Dimension, die, wie mehrfach an eng-lischen Monumenten, über die Fluchten der Seitenschiffe vor-springen, und mit zweigeschossigen Wandarkaden, deren ganzeBehandlung, in der Composition der Bögen, in dem gesammtenSysteme der angewandten Profilirungeu, in dem üppigen, phan-tastisch conventioneilen Ornament, welches in den Kapitälen undden Bogenfüllungen in reichlichen Massen erscheint, ebenfallsnoch das entschiedene Gepräge englischer Frühgothik hat, hiemitaber, als zu den unzweifelhaft jüngsten Theilen des Domes ge-hörig, die Epoche des Ganzen und den verliältnissmässig zeitigenBeginn des gothischen Baues um so bestimmter sichert. — Esgiebt sich in dem ganzen Bau, soviel nur von der ursprünglichenAnlage erhalten ist, um es nochmals zu wiederholen, auf’s Ent-schiedenste die Uebertragung der charakteristischen Elemente undMotive des englisch gothischen Styles in dem Stadium von dessenerster Ausprägung zu erkennen. Aber es muss hinzugefügt wer-den, dass nichtsdestoweniger die Verarbeitung dieser übertragenenMotive einen selbständigen Charakter hat. W ie viel Uebereinstim-mung im Einzelnen vorhanden sein mag, so ist doch kein beson-deres Monument der englischen Architektur zu nennen, als dessen,wenn auch modificirte Nachahmung der Dom von Drontheiin er-scheint. Und wie sehr die englische Frühgothik in ihren dekora-tiven Combinationen zum Seltsamen geneigt erscheint, so hat diekünstlerische Phantasie, welche sich in dem Gefüge dieses Bau-werkes ausspricht, doch einen abweichenden und eigentümlichenGrundzug. Es ist, wenigstens in der Composition des Kuppel-baues und seiner Verbindung mit dem Uebrigen, ein fast mysti-sches Element, das einer, aus dem Inneren heraus sich geltend