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3 (1859) Geschichte der gothischen Baukunst / von Franz Kugler
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XII. Die Architektur des gothischen Styles.

Es ist mehrfach der Elemente des Renaissancestyles gedacht,die sich den spätest gothischen Architekturen oder DekorationenSpaniens einfügen. In der That war dieser Styl seit dem Aus-gang des 15. Jahrhunderts dem gothischen bereits zur Seite ge-treten; indem er mehr und mehr geltend in den Vorgrund trat,indem die Vertreter beider Style oder diese selbst (denn nichtselten bewegten sich die Meister je nach Laune oder Erfordernissin beiden) alle Mittel aufwandten, sich geltend zu machen, zeigtsich in den ersten Decennien des 16. Jahrhunderts das Bild einesüberaus lebhaften und anziehenden Wettkampfes. Die allgemeineStimmung der Zeit machte den Renaissancestyl zum Sieger; docherhielt sich der gothische Styl in seiner charakteristischen Eigen-thümlichkeit tief in das 16. Jahrhundert hinab. Die späte Grün-dungszelt der Kathedralen von Salamanca und von Segovia (oben,S. 524) giebt dafür zunächst ein sehr bemerkenswerthes Zeugniss.Auch noch andre kirchliche Gebäude sind schliesslich zu nennen,die die lange Andauer des gothischen Styles bekunden. Es sind:die Kathedrale von Barbastro , im nördlichen Aragonien ; dieKirche des Klosters Nuestra Seiiora de la Victoria, unfern vonSalamanca , seit 1522. Die Kirche S. Marcos zu Leon, einleichter und stattlicher einschiffiger Kreuzhau (mit prächtigerRenaissancelaxjade); und die Kirche des Dominikanerklosters zuOviedo , 1553 von Juan de Cerecedo erbaut, von derselbenAnlage und von edler Durchführung, obschon ohne dekorativeAusstattung.

b. Portugal .

Unsre Kenntnisse der gothischen Architektur von Portugalsind wiederum äusserst gering. Wir wissen nur von wenigenMonumenten des 14. Jahrhunderts, die überdies durch neuereRestaurationen zumeist entstellt zu sein scheinen, und von einerkurzen Gl'anzepoche im Anfänge des 16. Jahrhunderts, in welchersich eine ähnlich phantastische Richtung des dekorativen Ge-schmackes wie in der Schlusszeit der spanischen Gothik, eben-falls unter den Nachwirkungen maurischen Formensinnes, geltendmacht. Es sind besonders die Regierungen D. Joäos I., um denSchluss des 14., und D. Emmanuels d. Gr., um den Beginn des16. Jahrhunderts, die sich durch bauliche Unternehmungen aus-zeichnen.

Nur ein Monument, soviel wir wissen, ist von wahrhafthervorragender Bedeutung: die Kirche des Klosters Batalha,im nördlichen Theile der Provinz Estremadura , mit den an sieanlehnenden Baulichkeiten; sie ist um so beachtenswerther, alssich hier beide genannte Epochen in ausgezeichneten Werken