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XII. Die Architektur des gothUchen Styles.
runder Absis. Sie hat starke Halbsäulenbündel mit frühgotliischenBlattkapitälen als Wanddienste und spitzbogige Kreuzgewölbe,deren Gurte und Rippen ebenfalls ein massig eckiges, doch poly-gonisch gebrochenes Profil haben. Die Dienste stehen in qua-dratischen Abständen, breite Wandfelder zwischen sich ein-schliessend, in deren Obertheil schmale Spitzbogenfenster miteinfach primitiver Maasswerkfüllung enthalten sind. Breitere undetwas reicher behandelte Fenster in den Qucrschiffflügeln. DieLänge der Oberkirche beträgt 232 Fuss, ihre Breite 40 F., ihreHöhe 60 F.; die Unterkirche ist, bei gleicher Breite des Mittel-raumes, 33 l /2 F. hoch. Das gesammte Innere beider Kirchenist mit Wandmalerei erfüllt, höchst schätzbare Werke aus denZeiten des ersten jugendlichen Aufschwungs der italienischenMalerei enthaltend. Auch das architektonische Detail ist dabeimit bunter polychromatischer Ausstattung versehen worden: 1 dieSäulenschäfte der Wanddienste mit gewundenen oder eckig ge-brochenen Bändern u. drgl.; die Gurte und Rippen des Gewölbes,zur Auflösung ihrer starren Form , mit mannigfach zierlichenMustern, denen sich als breiterer Einschluss der Gewölbkappenreiche Ornamentbänder anlegen, — dies Alles (ähnlich und innoch stärkerem Maasse wie bei Prachtkapellen der französischen 'Gothik) zur Gewinnung einer festlich phantastischen Wirkung,aber zugleich zur wesentlichen Beeinträchtigung des Wenigen,was an plastisch organischer Form gewonnen war, und als einsder frühsten und entschiedensten Musterbeispiele, gewiss zurHemmung desjenigen Sinnes für organische Formengestaltungnach den Anforderungen des gothischen Systems, der im Landedoch vielleicht hätte hervorgerufen werden können. Auch anselbständig architektonischer Formenbezeichnung fehlt es denWandmalereien nicht; namentlich ist es die untere Hälfte derWände der Oberkirche, die durch solche in einzelne Bildfelderzerfällt; aber hier sind es völlig antikisirende Formen: römischeSäulen mit gewundenen Schäften, die ein horizontales Consolen-gebälk tragen, ein schlagendes Zeugniss dafür, dass die gothischeFormbildung dem allgemein künstlerischen Bewusstsein nochvöllig fremd und unbegriffen gegenüberstand. — Das Aeusserehat, an der Oberkirche, halbrund vortretende Strebepfeiler, gegendie vor den starken Strebemassen der Unterkirche schlichte Strebe-bögen gespannt sind. Ein auf der Nordseite in die Unterkircheführendes Portal, ein Portal auf der Westseite der Oberkirche undein Rosenfenster über dieser haben charakteristisch frühgothischeFormen, zum Theil von zierlicher Composition. Der einfacheGiebel der Oberkirche überragt das flache Dach, welches stattdes hölzernen Dachstuhls von gemauerten Bögen getragen wird.
1 Darstellung der farbigen Dekorationen in S. Francesco (wfe in einigenandern italienischen Kirchen) besonders bei Grüner, specimens of ornamentalart. —