In den Ivivollen der östlichen Distrikte von Ober-Italienmachen sich wiederum verschiedenartige Weisen in Auffassungund Behandlung geltend.
Venedig 1 hat zwei Kirchen von Bedeutung, deren Anlage,wie es scheint, auf die Frühepoche der italienischen Gothikzurückgeht und in weiteren Kreisen Einwirkungen ausübte. Dieeine ist S. Maria Gloriosa dei Frari, 2 gegründet 1250, inllaupttheilen schon 1280 fertig, doch erst 1492 -beendet. Nicola Pisano wird (freilich ohne hinreichende Begründung) als Urheberdes Planes genannt. Die Anordnung des Innern ist weit- undhoclnaumig, mit auffällig schmalen Seitenschiffen; das Systemzeigt charakteristisch frühgothische Formen: kräftige Rundsäulenmit ’ Knospenkapitälen , Pilasterdienste mit feinen Ecksäulchen,breite spitzgewölbte Scheidbögen in einer ebenfalls den Früh-cliarakter bezeichnenden Gliederung, u. s. w. Die Fa$ade isthöchst schlicht. Der Chorbau, polygonisch, mit reichen doppel-geschossigen Spitzbogenfenstern, und eine Reihe ähnlich behan-delter Kapellen an der Ostseite des erheblich verlängerten süd-lichen Querschiffilügels, tragen ein jüngeres Gepräge, in ihrenzierlich edlen Formen auf das 14. Jahrhundert deutend. — Diezweite Kirche ist S. Giovanni e Paolo. 3 Sie ist um Einigesjünger, angeblich von Schülern des Nicola Pisano gebaut; ihreEinweihung fällt in das J. 1430. Die Disposition und das Systemdes Inneren schliessen sich dem der eben genannten Kirche an;doch sind , bei noch breiteren (quadratischen) Säulenabständen,auch die Seitenschiffe breiter angelegt, so dass die Wirkung desWeiträumigen zur vollen Entfaltung 'kommt. Die unvollendeteFa^ade hat unterwärts spitzbogige, hohe und massenhafte Wand-arkaden, (hiemit an die Fatjade von S. Antonio zu Padua erinnerndund eine mögliche Uebereinstimmung in dem Verschiedenartigen,was dem Nicola Pisano und seiner Schule zugeschrieben wird,bezeichnend.) — Von andern Kirchen Venedigs sind S. Stefano 4(1325) mit zierlicher und klar geordneter Backsteinfacjade, —S. Grcgorio 5 (1342) mit ähnlichen trefflichen Details, — undS. Maria dell’ Orto (nach 1473) mit einer Fagade in glänzendschweren Spätformen hervorzuheben.
1 Vergl. Selvatico, sulla architettura eee. in Venezia , p. 98. — 2 Wiebeking,II, t. 72. Runge, Beitr. zur Backst.-Areh., Bl. 19, 20 (1, 2), 4 4 (5, 6). Street,p. 132, ff. Hope, t. 85. Willis, remarks on the arch. of the middle ages, pl. 7.— 8 Le fabbriche piü cospicue di Venezia. IIT. Wiebeking, a. a. O. Runge,a. a. O., Neue Folge, Bl. 13 (1), 21 (2). —. 4 Runge, a. a. O., erste Folge,Bl. 20 (3, 4), 21 (3), 26 (6). - 6 Ebenda, N. F., Bl. 21 (1). — fi Hope, t. 68.