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XII. Die Architektur des gothischen Styles.
S. Stefano, 1 ein schlichter Spätbau, der in seinen reichenKrönungsgesimsen schon Renaissanceformen mit den gothischenvereinigt. — In Rimini die Kirchen S. Maria in Acumine, 8ein schlichter Ziegelbau vom Jahr 1373, und S. Francesco, 3einschiffig, mit Seitenkapellen, durch spätere Ausstattung im Re-naissancestyl (von L. B. Alberti) berühmt. — Weiter südlich, inder ankonitanischen Mark, der Dom von Pesaro , mit einfachedler Faijade von lombardischer Disposition; das alterthiimlichePortal von S. Agostino, ebendaselbst; — das zierlich spät-gothische Portal von S. Nicola zu Tolentino. U. A. in.
Profanbau.
Einen beachtenswerthen Gegensatz gegen die bunte Mannig-faltigkeit des Kirchenbaues von Ober-Italien in der Epoche dergothischen Architektur, gegen den Mangel eines durchgehendenSystems, gegen die Willkür in der Behandlung der dekorativenAusstattung, die hier überall, in grösserem oder geringeremGrade, bemerklicli werden, bildet der Pallastbau dieser Districte.Er entfaltet sich in bestimmten Grundzügen, an denen festge-halten wird und deren Formenbildung dem Gange der stylisti-schen Entwickelung folgt. Er gewinnt ein reiches, bedeutungs-volles Gepräge, dem es an glänzender Ausschmückung nichtfehlt, aber in der Weise, dass die Dekoration die festen und be-stimmenden Grundformen nirgend überwuchert. Er giebt denInteressen des Lebens, und namentlich ihrer öffentlichen Seiten,den Ausdruck eines eigenthiunlichen maassvollen Adels.
Zunächst und vorzugsweise gilt dies von den für öffentlicheZwecke errichteten Gebäuden, den Sitzen der städtischen Behör-den, den für einzelne Zwecke der Verwaltung, für besondres ge-nossenschaftliches Bedürfniss ausgeführten Anlagen. Sie habenziemlich durchgehend die Anordnung einer offnen kräftigen Pfei-lerhalle im Erdgeschoss, die, einen schattig luftigen Versamm-lungsraum gewährend, mehrfach die gesammte Grundlage desGebäudes einnimmt, und geschlossener Räume über diesem, welchesich durch stattliche Fenster öffnen, zuweilen durch vorspringendeAltane die Bezugnahme auf den freien Raum ausserhalb und aufdas harrende Volk, welches diesen erfüllt, ankündigen und ober-wärts, in kriegerischer Reminiscenz, mit Zinnen abgeschlossensind. Gelegentlich erhebt sich der städtische Glockenthurm zurSeite dieser Gebäude, ähnlich wie der Beifried der niederländi-schen Stadthäuser. Die Feststellung des baulichen Systems ge-hört, wie es scheint, der gothischen Frühepoche an ; die untere
1 Runge, a. a. O., Bl. 27 (2), 28 (3). — 2 D’Agincourt , t. 42 (20, 21). —3 Ebenda, t. 42 (23), 51,