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XII. Die Architektur des gothischen Styles.
gehend etwas Kräftiges und Kühnes in dem Bau dieser Denk-mäler und ihre Gesammterscheinung von eigenem, phantastischmalerischem Reiz.
Einige venetianische Grabmonumente des 14. Jahrhunderts,in S. M. de’ Frari und in S. Giovanni e Paolo, Sarkophagnischenmit Säulen- und Giebelschmuck, reihen sich als Werke verwandterBehandlung an.
In der römischen Architektur der gothischen Epoche istlediglich nur das dekorative Element von Bedeutung. Vor-nehmlich ist es die Schule der Cosmaten, welche die zierlicheTechnik, die sie in Werken spätromanischen Styles bekundethatte, (Thl. II, S. 98), auch auf die Formen gothischer Com-position übertrug. Ihre gothischen Dekorativ-Arbeiten sindebenso mit feinen musivischen Füllungen, ebenso mit feinerornamentistischer Sculptur versehen, w'elche gern auf die antikenMuster zurückgeht und dem Ganzen auch bei Anwendung derSpitzbogenform zuweilen einen Zug von klassischer Haltung giebt.
Ein einfaches Werk der Art, das nur die Grundlinien desgothischen Systems aufnimmt, ist das (einem antiken Sarkophageaufgesetzte) Grabmal der Saveller in S. Maria d’Araceli 1 zuRom , aus der Zeit um 1266. In schlichtem Adel baut sich dieGrabnische des Kardinals Gonsalvo (gest. 1299) in S. Mariamaggiore 2 auf, inschriftlich als Werk des Johannes Cosrnasbezeichnet; ähnlich, von demselben Meister, das Grabmal desBischofs Durantus in S. Maria sopra Minerva. AusserhalbRoms schliesst sich diesen Grabmonumenten das des PapstesHadrian V (gest. 1276) in S. Francesco zu Viterbo als eineArbeit von ähnlicher Behandlung an. — Denselben Styl, reich,doch in nicht sehr harmonischer Verbindung der antikisirendenmit den gothischen Elementen, hat sodann das von vier Säulengetragene Tabernakel des Hauptaltars von S. Paolo ausserhalbRoms ; 3 es ist inschriftlich als Werk eines Meisters Arnolphus(den man, wie es scheint: ohne sonderlichen Grund, mit Arnolfo di Cambio identificiren will), vom J. 1285 bezeichnet. AndreAltartabernakel, von ähnlicher Beschaffenheit, in S. Cecilia undS. Maria in Cosmedin zu Rom , letzteres von dem CosmatenDeodatus. — Ein selbständiger kleiner Bau derselben Schuleist die Kapelle Sancta Sanctorum bei S. Giovanni in Lateranozu Rom , um 1280 von einem „Magister Cosmatus “ ausgeführt.Ihre Innenwände sind von zierlichen gewmndenen Säulen mit
1 D’Agincourt , seulpture, t. 28. — 2 Ebenda, t. 24. Cicognara, a. a. O. t. 20.— 3 D’Agincourt , sc. t. 23. Gailhabaud, Denkm. d. Bauk., III, Lief. 80.