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3 (1859) Geschichte der gothischen Baukunst / von Franz Kugler
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Italien .

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Spitzbögen, welche bildlichen Darstellungen zum Einschlussdienen, umgeben.

Jüngerer Zeit, der Epoche um 1370, gehört das Tabernakelvon S. Giovanni in Laterano zu Rom 1 an. Ein kräftiger,zugleich in angemessener Gliederung durchgeführter Bau, einedles Gleichgewicht der Theile, ein klarer Halbkreis für dieLinien der Hauptbögen, trefflich durchgebildetes und vielfachwiederum antikisirendes Detail machen dies Werk zu einem der

g ediegensten seiner Art. Noch energischer, noch mehr denreschmack der Renaissance vorbereitend, aber weniger rein undedel ist das Grabmal des Cardinais Pli. dAleiujon 2 (gest. 1397),in S. Maria in Trastevere zu Rom .

Sonst erscheint die römisch gothische Architektur überschlichtund ohne alle Entwicklung. Eine verfallene Kirche bei Capodi Bove 3 (Grabmal der Cacilia Metella) ausserhalb Roms warein»einschiffiger Bau, dessen Dach auf einer Folge spitzer Quer-bögen ruht. Aehnlich die Kirche im Kloster der h. Scholastica zu Subiaco , 4 wo der alten Anlage eine moderne Architektureingebaut ist. S. Maria sopra Minerva zu Rom 5 gegenEnde des 14. Jahrhunderts erbaut, ist der einzige eigentlichgothische Kirchenbau, mit Gewölben über quadratischen Joch-feldern, im Mittelschiff nur ein Weniges erhöht, die Pfeiler voneinfachster Form und ohne alle Ausstattung. (Neuerlichst mitglänzender Dekoration versehen).

Als ein Dekorationsbau vom Schluss der gothischen Periode,in einem glänzenden Gemisch gothischer Formen mit denen derRenaissance, zeichnet sich das Portal der kleinen Kirche S. Gia-como zu Vicovaro , 6 nordöstlich von Tivoli, aus.

d. Königreich Neapel .

Neapel hat eine Reihe gothischer Kirchen, zumeist aus derFrühepoche des Styles, über die jedoch mannigfache Umwand-lung ergangen. Bemerkenswerth ist ein entschieden nordischerEinfluss, ein Ergebniss der französischen Herrschaft, die seit1265, unter Karl von Anjou , eingetreten war. Die Kirche St.Loren zo, bald nach der französischen Besitznahme erbaut,später zum grössten Theil verändert, hat den Chorumgangund Kapellenkranz der französischen Kathedralen, der sonst in

1 DAgincourt, sculpture, t. 36. 3 Ebenda, t. 39. 3 DAgincourt , Arcbi-tecture, t. 36 (18, 19), 42 (1417), 73 (74). 4 Ebenda, t. 59. 5 Ebenda,t. 42 (22), 65 (16), 68 (53), 73 (75). 6 Ruhl, Denkmäler der Baukunst inItalien , T. 14.